Doof auf dem Dorf

von Redaktion

Der Saarbrücker „Tatort“ verbrät unsägliche Provinz-Klischees in einer platten Story

Man will sich ans Leder: Im Wirtshaus eskalieren die Familien-Feindschaften. © SR / Manuela Meyer

Früher spielten Fernsehkrimis in den großen Städten, doch irgendwann haben die Drehbuchautoren fatalerweise das Dorf als Schauplatz für Mord und Totschlag entdeckt. Doch die wenigsten von ihnen scheinen sich tatsächlich „vor Ort“ auf dem Land einmal umgesehen und umgehört zu haben. So entstand das monströse, immer wieder reproduzierte Klischee von historischen Feindschaften und dunklen Familiengeheimnissen hinter den Fassaden alter Gemäuer. Dieser typische Dorfkrimi ist im Saarland angesiedelt – und seine Macher haben wirklich keine Idee für zu doof gehalten, um sie darin unterzubringen.

Ist, im 21. Jahrhundert, eine lesbische Liebe wirklich noch etwas, für das man sich verstecken oder „auswandern“ muss? Darf eine Kriminalpolizistin im Ort ihrer Kindheit ermitteln und sich auch noch einbilden, den eigenen Bruder verhören zu dürfen? Feiern verfeindete Familien wie die Feidts und die Louis (von denen übrigens niemand den regionalen Dialekt spricht) im fiktiven Hohenweiler im Ernst einmal im Jahr gemeinsam ein Dorffest? Gehen sie für den Rest des Jahres Tag für Tag ins selbe Wirtshaus, um einander dort anzupöbeln? Daniela Baumgärtl und Kim Zimmermann haben offensichtlich alle Zweifel weggeschoben, und auch die verantwortlichen Redaktionen sind den beiden nicht in den Arm gefallen.

So ist mit „Das Böse in Dir“ ein Film entstanden, der mit gefährlichen Vorurteilen operiert. Es ist offenbar denkbar, dass Teenager eine Verbalinjurie wie „Dumme Lesben!“ mit einem Molotowcocktail beantworten, und dass nach dem Geständnis einer jungen Frau auf offener Straße, den Tod ihrer Freundin verschuldet zu haben, ein Mob mit „Holt sie Euch!“ Lynchjustiz begehen will.

Baumgärtl und Zimmermann sowie Regisseurin Luzie Loose mögen für große Kunst mit universellem Anspruch halten, was sie da fabriziert haben, doch dieser „Julia und Julia“-Topos ist an Plattheit nicht zu überbieten. Darüber hinaus – und das ist viel schlimmer – zementiert er das Bild von der Provinz, in der das Mittelalter noch andauert.

Fatal, dass auch das Ermittlerquartett in diesem Sumpf versinkt. Daniel Sträßer, Vladimir Burlakov, Brigitte Urhausen und Ines Marie Westernströer dilettieren sich durch den Fall, präsentieren sich wie eine Art Selbsthilfegruppe der Saarbrücker Kripo. Im Grunde hat sich keine der Figuren in den bisherigen Fällen unverwechselbar gemacht. Wie auch, bei so schwachen Geschichten. RUDOLF OGIERMANN

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