Monarch mit Makel

von Redaktion

Trotz Skandalen und Ärger im Camp: Gil Ofarim wird RTL-Dschungelkönig

Er hat gut lachen: Gil Ofarim. Sein Preisgeld beträgt 100 000 Euro. © RTL

Am Ende waren selbst die Moderatoren überrascht. „Wer hätte das gedacht?“, fragte Sonja Zietlow, und man meinte, ihr ansehen zu können, dass sie sich durchaus einen anderen Dschungelkönig gewünscht hätte. Aber – Gil Ofarim hat es am späten Sonntagabend geschafft. Er hat die RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ gewonnen, und zwar klar und deutlich. Im Halbfinale habe es die höchsten Anruferzahlen seit der ersten Staffel gegeben, sagte Co-Gastgeber Jan Köppen – die Show läuft seit 2004. Und: Ofarim hat in den Votings ab Tag eins immer vorn gelegen. Seine Mit-Finalisten Samira Yavuz („Der Bachelor“, Platz 2) und Hubert Fella („Ab ins Beet!“, Platz 3) kamen dagegen nicht an.

Wie konnte das passieren, mögen sich etliche Zuschauerinnen und Zuschauer fragen, die in Ofarim seit dem „Davidstern-Skandal“ einen Lügner und charakterlich wenig integren Mann sehen. Der Musiker und Sohn von München-Legende Abi Ofarim hatte 2021 Schlagzeilen gemacht, als er sich bei Instagram als Opfer antisemitischer Äußerungen eines Hotelmitarbeiters darstellte. Später stellten sich diese Vorwürfe als falsch heraus – Ofarim nahm seine Darstellung in einem Verleumdungs-Prozess gegen ihn zurück. Das Verfahren wurde eingestellt.

Zurück zur Frage, wieso die Zuschauer Ofarim zum König gewählt haben? Ex-Dschungelkönig Filip Pavlovic formulierte in der After-Show bei RTL eine Idee: Man könne „den Fall“ ja mal „komplett blanko“ betrachten. Bedeute: „Wir denken jetzt nicht, was er getan hat. Wir denken nicht an die Vergangenheit. Wir reden nicht darüber, was er damals im Hotel gemacht hat, sondern nur, was er im Camp geleistet hat. Dann hat er die Krone verdient.“ In den Dschungelprüfungen habe der 43-Jährige Spitzenleistungen gezeigt und sei stark geblieben, obwohl ihn die restliche Gruppe ausgegrenzt habe. Das ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Für andere Mitcamper blieb die Entscheidung des Publikums dennoch fragwürdig. „Er manipuliert Menschen komplett“, sagte etwa Simone Ballack, die kurz vor Schluss ausgeschieden war. In der Final-Sendung sagt sie: „Wenn Gil gewinnt, verliere ich den Glauben an Reality-Shows.“ Dieser Fall ist nun eingetreten.

Ofarim selbst schlug nach seinem Sieg die Hände vors Gesicht und schluchzte bitterlich. Jeden Tag habe er mit dem Rauswurf gerechnet, sagte er. „Ich hab‘ jeden Tag meinen Koffer gepackt.“ Mit dem Zepter in der Hand grüßte er dann seine Frau und Kinder. Zudem erklärte er, dass er nun wieder Freude empfinde. „Die Leichtigkeit kommt zurück, die Freude kommt zurück, die Glücksgefühle kommen zurück.“ Der Dschungel habe ihn wieder zurückgeholt. „Zurück ins Leben.“

Das Finale schauten über fünf Millionen Zuschauer an

Bei der Pressekonferenz am gestrigen Montagmorgen ergänzte er noch, dass er nach den heftigen Kontroversen um seine Person gerne ein neues Kapitel aufschlagen würde. „Ich bitte um Verständnis, dass ich mir nichts Sehnlicheres wünsche, als dass irgendwann mal einfach auch ein Neuanfang beginnen kann für alle. Darum bitte ich.“ Auf die Frage, was er mit dem Preisgeld – immerhin 100 000 Euro – mache, antwortete er: „Ich bitte um Verständnis, es ist eine private Sache, aber es gibt da jemanden, der bekommt noch Geld. Und das steht ihm auch zu.“ Genaueres sagte er nicht.

Und RTL? Der Kölner Privatsender verdankt seinem Monarchen mit Makel Top-Quoten. Das Finale lockte 5,15 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. In der Spitze sei die Reichweite sogar auf 5,75 Millionen Zuschauer geklettert, heißt es. Insgesamt verfolgten im Schnitt 4,4 Millionen Zuschauer die 17 Folgen des diesjährigen Dschungelcamps.THY, DPA

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