Ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit: Robert Liebling (Manfred Krug, re., hier mit Wolf-Dietrich Sprenger) in „Liebling Kreuzberg“. © Arte
Dreitagebart, bunte Krawatten, Anglerhut und gerne mal einen Wackelpudding für den kleinen Hunger zwischendurch – Robert Liebling war der wohl lässigste Anwalt in der Geschichte des deutschen Fernsehens. Wenn der Jurist in der Serie „Liebling Kreuzberg“ einen Rechtsstreit zu Gunsten seiner Mandantin und seines Mandanten löste, war beste Unterhaltung garantiert. Die Hauptrolle spielte der 1977 von der DDR in den Westen übergesiedelte Publikumsliebling Manfred Krug, die mit witzigen Dialogen gespickten Drehbücher stammten vom Schriftsteller Jurek Becker. Außerdem gab es für die Zuschauer juristisch noch etwas zu lernen, denn die meisten Geschichten basierten auf realen Fällen, die sich Becker von einem befreundeten Anwalt hatte erzählen lassen. Heute vor 40 Jahren, am 17. Februar 1986, startete „Liebling Kreuzberg“ im Ersten und wurde dank des kongenialen Duos Manfred Krug und Jurek Becker zu einer der besten und beliebtesten deutschen Serien. Sie lief bis 1998.
DDR-Dissident Jurek Becker, der mit dem Roman „Jakob der Lügner“ berühmt geworden war, hatte die Drehbücher für „Liebling Kreuzberg“ seinem langjährigen Freund Manfred Krug auf den Leib geschrieben. Ausgiebiges Aktenstudium hatter es Anwalt Liebling nicht so angetan, vor Gericht konnte er aber zu großer rhetorischer Form auflaufen. Außerdem hatte er für die Fälle, die ihn weniger stark interessierten, fleißige Kanzleipartner, so den akribischen Giselmund Arnold (Michael Kausch) und später Bruno Pelzer (Stefan Reck). Beide waren fleißiger als ihr durch und durch pragmatischer Seniorpartner, der aber keineswegs frei von Mitgefühl für seine Mandanten war und einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hatte.
Komplettiert wurde das Liebling-Universum von den beiden Sekretärinnen Paula Fink (Corinna Genest) und Senta Kurzweg (Anja Franke), die in erster Linie die Aufgabe hatten, ihrem meist brummigen Chef nervige Bittsteller oder in Ungnade gefallene Liebhaberinnen vom Hals zu halten. Und dann war da ja auch noch seine Tochter Sarah, gespielt von Roswitha Schreiner. In der vierten Staffel – die Bücher schrieb jetzt Ulrich Plenzdorf – zog es Liebling von Kreuzberg nach Mitte, wo er in der Kanzlei von Isolde Isenthal (Jenny Gröllmann) anheuerte. Zu Frauen hatte Liebling ein ähnlich pragmatisches Verhältnis wie zu seinen Mandanten, eine längere Liebesbeziehung pflegte er in der zweiten und dritten Staffel aber mit Staatsanwältin Rosemarie Monk (Diana Körner).
Für den gesamtdeutschen Star Manfred Krug (1937–2016), der zu dieser Zeit auch als singender Hamburger „Tatort“-Kommissar Paul Stoever zu sehen war, wurde die Figur des Robert Liebling zur Rolle seines Lebens. Mit der Filmreihe „Kanzlei Liebling Kreuzberg“ startete die ARD im vergangenen Jahr eine Art Fortsetzung der Kultserie, mit Luise von Finck und Gabriela Maria Schmeide in den Hauptrollen.MARTIN WEBER