Schöner leiden

von Redaktion

Sopranistin Fatma Said gastiert beim Münchener Kammerorchester

Didos Klage, gesungen von Fatma Said, stand im Mittelpunkt des Abends © Ganslmeier

Vom Barock bis zu Schostakowitsch reichte der Bogen, den das Münchener Kammerorchester (MKO) am Donnerstagabend im diesmal wohl wegen des Schneefalls nicht ganz ausverkauften Prinzregententheater schlug. Dabei wurde unter der Leitung von Stefano Montanari viel Leid in schönsten Tönen gepflegt.

Nicht nur die Solistin des Abends, die aus Kairo stammende Sopranistin Fatma Said, schlug berückende Leidenstöne an, auch das Orchester verstand sich darauf. Im Adagio der Kammersinfonie op. 118a, dem von Rudolf Barshai für Streicherensemble bearbeiteten zehnten Streichquartett von Schostakowitsch, sangen die Streicher – angeführt von Konzertmeisterin Cecilia Ziano – ihre zarte Klage in feinstem Pianissimo. Vor dieser Passacaglia hatte der unkonventionelle, impulsive Montanari die Streicher wie aggressive Schlagwerker hochgepusht und – bei viel Transparenz – Duftiges, auch fast Tänzerisches im wundersam ausgehauchten Finale hervorgezaubert.

Im Mittelpunkt des Abends standen Henry Purcells Rezitativ und Arie „Thy hand Belinda… When I am laid on Earth“, die Klage der von Aeneas verlassenen Dido. Dabei verströmte Fatma Said mit ihrem wohlgerundeten, auch im Piano ausdrucksintensiven Sopran eine unglaubliche Traurigkeit. Cembalo, Cello und Bass stützten das Lamento, das die übrigen Streicher sanft ummantelten. Zuvor war die Sängerin in Haydns Kantate der „Arianna a Naxos“ in die Rolle der von Theseus betrogenen Ariadne geschlüpft, hatte fein phrasierend und in tragendem Mezzavoce dem Schmerz dieser Frau Ausdruck verliehen. Orchester und Dirigent begleiteten sie adäquat und schürten im zweiten Teil ihre Wut, die nach heftiger Entäußerung schließlich wieder im Klagen endete. Großer Applaus für Fatma Saids mitreißende Gestaltung.

Eröffnet hatten Montanari und das um Flöten, Oboen, Hörner und Fagott angereicherte MKO ihr Konzert mit einer geradezu glutvollen, sprengkräftigen Interpretation von Carl Philipp Emanuel Bachs Sinfonia Nr. 1, deren elegisches Largo die Flöten kantabel anstimmten. GABRIELE LUSTER

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