„Unser Spirit ist hier“

von Redaktion

Die englische Coverband Rumours of Fleetwood Mac lässt die Kultband wieder leben

Sie war der Star des Abends: Sara Leanne.

Würdige Stellvertreter: Rumours of Fleetwood Mac. Zwischendurch denkt man, es seien die Echten. © Heinrich (2)

Bei dem coolen älteren Herrn auf der Videowand handelt es sich tatsächlich um den echten, real existierenden Mick Fleetwood. Der Namensgeber der Jahrhundert-Band Fleetwood Mac begrüßt die Fans im ausverkauften Deutschen Theater (beinahe) höchstpersönlich: „Offensichtlich sind wir heute nicht selbst auf der Bühne. Aber unser Spirit ist hier.“ Beides bestätigt sich in den nächsten zweieinhalb Stunden.

Natürlich spielen Stevie Nicks, Lindsey Buckingham & Co. nicht live in München – die wenig harmoniebedürftige Kapelle hat ihr (bislang) letztes Konzert 2019 gegeben. Doch die englische Coverband Rumours of Fleetwood Mac ist die beste nur denkbare Stellvertretung. Wer die Augen schließt und genießt, mag sich zwischendurch tatsächlich fragen: Ist das vielleicht Nicks?

Nein, da dreht sich nicht die echte Stevie Nicks in ihrem Feenkleid über die Bühne, sondern Vivienne Chi. Und ihre Pop-Poesie in „Sara“ klingt auch nicht exakt wie 1979 auf dem genial versponnenen Doppelalbum „Tusk“. Aber um das Imitieren von Stimmen geht es gar nicht. Es geht um den Geist der Klassiker. Und den treffen die sieben Musikerinnen und Musiker perfekt.

Da sitzt jeder Drumbreak von Schlagzeuger Allan Cosgrove bei „The Chain“ und jedes Fingerpicking von Gitarrist James Harrison in „Big Love“. Er verwandelt das Deutsche Theater quasi in den Lindsey-Buckingham-Palast. Doch die Stars der Show sind die beiden Ladys – allen voran Keyboarderin Sara Leanne als Erbin der 2022 verstorbenen Christine McVie. Wie sie „You make loving Fun“ oder „Say you love me“ auf die Bühne bringt, passt zu Christines Mädchennamen: perfect.

Nach einem Blues-Ausflug mit Frühwerken wie „Albatross“ verwandeln sich „Fleetwood Mac 2.0“ wieder in die schillernden Achtzigerjahre-Poprock-Giganten. Mit „Little Lies“ reißt es die Fans von den Sitzen. Bei Nicks’ Solo-Knaller „Edge of Seventeen“ oder bei „Everywhere“ gilt das Motto „Don’t stop“. Man kann dem Genre der Coverbands durchaus skeptisch gegenüberstehen – die kreative Leistung, nur fremde Songs nachzuspielen, mag überschaubar sein. Aber wer die Musik drei der besten Songwriter aller Zeiten so brillant und respektvoll wieder zum Leben erweckt, hat sich den Segen von Mick Fleetwood redlich verdient.JÖRG HEINRICH

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