Feurig ins Finale

von Redaktion

Sarah Engels fährt für Deutschland zum Eurovision Song Contest nach Wien

Heiße Show: Sarah Engels bei ihrem Auftritt am Samstagabend. Am Ende stimmten gut 38 Prozent der Zuschauer für sie. © Pedersen/dpa (4)

Ein kölsches Mädche fährt nach Wien. Beim ESC-Vorentscheid „Das deutsche Finale“ setzte sich am Samstag im Ersten Favoritin Sarah Engels durch. Die „DSDS“-Zweite von 2011 ersang und ertanzte sich das Ticket zum Wettsingen am 16. Mai. Nun spekulieren die Fans, wie groß die Chancen der 35-Jährigen mit ihrem Balkan-Latin-Mix „Fire“ sind. Das Spektrum reicht von „der professionellste Auftritt von allen“ (stimmt!) bis zu „Wir lernen es einfach nicht“ (stimmt auch!). Die Buchmacher wetten Deutschland auf Platz 22 von 35 Ländern. Der Weg zum „Sara(h) perché ti amo“, zum Applaus aus ganz Europa, ist also noch weit.

Wie war die Show? Lang! Drei Stunden brauchten Barbara Schöneberger und Hazel Brugger, um aus neun Beiträgen die Siegerin auszusieben. Die beiden moderierten unterhaltsam bis überdreht. Die bewährte Babs ließ sich von einem Laubbläser als Windmaschine anblasen. Und die Schweizer Neuverpflichtung „Crazy Hazel“ taufte sich in „Crazel“ um. In zwei Stunden wär’s amüsant gewesen. Aber die Show mit den x-ten Rückblicken auf die schrägsten Beiträge aus 70 Jahren Eurovision zum XXL-ESC aufzublasen, war zäh. Die Plauder-Gäste Hans Sigl und Carolin Kebekus sieht man gern, ihre Verbindung zum Song Contest blieb aber mysteriös. Vielleicht hatte sich der veranstaltende SWR gedacht: Wien, Österreich, Berge, da muss der Bergdoktor her! Starke 3,65 Millionen schauten zu, 100.000 mehr als letztes Jahr bei der Raab-„Chefsache“.

Wie lief die Entscheidung? Die Jury aus 20 Ländern wählte Sarah Engels, den Liechtensteiner Glamrocker Wavvyboi und Molly Sue aus Schleswig-Holstein zu Recht ins Superfinale der besten drei. Zum Bedauern vieler Fans im Forum „ESC kompakt“ schaffte es Wavvyboi, optisch eine Mischung aus Hans Klok, Amanda Lear und Queen-Drummer Roger Taylor (in jung), danach im Zuschauer-Voting nicht nach Wien. Mit seinem Retro-Rocksong „Black Glitter“ hätte Deutschland die Chance gehabt, aus der Masse herauszustechen. Das hätte auch für Molly Sue gegolten, die in „Optimist (Ha Ha Ha)“ anrührend über ihre chronischen Erkrankungen singt. Aber es war knapper als erwartet: 38,3 Prozent für Sarah Engels, 34,2 Prozent für Wavvyboi, 27,6 Prozent für Molly Sue.

Wie gut ist unser ESC-Beitrag? Sarah Engels ist eine sichere Bank. Die erfahrene Pop- und Musicalsängerin wackelt auch bei ihren höchsten Tönen nicht. Leider wirkt sie mit dem biederen „Fire“ ein wenig wie eine Fernsehgarten-Shakira. Und ESC-Fans erinnern sich: Das haben wir doch so ähnlich schon mal gehört, 2018 aus Zypern. Damals landete Eleni Foureira mit „Fuego“ auf Platz zwei. Vielleicht mag Europa ja feurige Beiträge. Nach dem mutigen „Baller“ von 2025, das aber auch nur auf Platz 15 strandete, macht Deutschland musikalisch jedenfalls wieder einen Schritt zurück. Vielleicht sorgt Sarahs wichtige „Female Empowerment“-Botschaft für starke Mädchen und Frauen trotzdem für eine Top-10-Überraschung. Die Siegerin glaubt: „Der ESC ist die größte Chance meiner Karriere.“

Was bleibt als Fazit? Das Thema Eurovision von einer ARD-Anstalt zur nächsten zu schubsen, vom NDR zum SWR, sorgt noch lange nicht für einen kraftvollen Neustart. Vielleicht sollte die ARD das Thema ganz ohne Öffi-Bürokratie in die Hände von frischen, frechen, mutigen Kreativen zwischen 20 und 30 Jahren legen. Vorerst bleibt nur Daumendrücken für Sarah Engels, siehe „ESC kompakt“: „Sarah, Mädche, du mach’s dat!“JÖRG HEINRICH

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