Die Ente bleibt drin!

von Redaktion

Bis heute ein Hit: Vor 50 Jahren lief „Loriot“ zum ersten Mal im Fernsehen

Zwei Herren im Bad: Herr Dr. Klöbner und Herr Müller-Lüdenscheidt im legendären Sketch von Loriot. © Salzgeber, Jehle/SWR,

Die legendäre Nudel an der Lippe, die Herrenboutique in Wuppertal oder die berühmte Antwort eines Ehemanns auf die Frage, ob er seine Frau ab und zu küsse: „Na ja, es ist zeitlich immer etwas ungünstig“: Der trockene und skurrile Witz des großen Humoristen Loriot (1923-2011) ist einzigartig. Vor 50 Jahren, am 8. März 1976, startete im Ersten die Reihe, mit der Loriot die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte: „Loriot“ lief zwar nur bis 1978, doch viele der gezeigten Sketche erlangten Kultstatus und sind neben den genialen Miniaturen aus Loriots vorangegangenem Magazin „Cartoon“ aus dem Hausschatz des deutschen Humors nicht mehr wegzudenken.

Um sie sich zu vergegenwärtigen, reichen Stichworte völlig aus: „Ein Klavier, ein Klavier!“, zwei Männer in der Badewanne („Die Ente bleibt draußen!“), die Steinlaus, „Es saugt und bläst der Heinzelmann“ oder Weihnachten bei Hoppenstedts („Früher war mehr Lametta!“). Der Mann, der mit bürgerlichem Namen Vicco von Bülow hieß, war ein begnadeter Spaßmacher und ein Glücksfall fürs Fernsehen.

Loriot war Karikaturist und Schöpfer unvergessener Knollennasen-Männchen, Autor, Schauspieler, Regisseur und Moderator, er schrieb Bücher, inszenierte Opern und drückte Kinofilmen seinen Stempel auf. In erster Linie aber prägte der 1923 in Brandenburg an der Havel geborene Preuße mit dem leicht spöttischen Blick das Fernsehen. In der sechsteiligen Serie „Loriot“, mit der auch Loriots kongeniale Sketchpartnerin Evelyn Hamann (1942-2007) berühmt wurde, war der Meister der feinen Satire auf dem Höhepunkt seines Schaffens.

Schon seine erste Fernsehserie „Cartoon“, die Anfang 1967 noch in vornehmem Schwarz-Weiß startete, wurde zur Bühne für ulkige Ehepaare, zerstreute Professoren, geschwätzige Politiker und natürlich drollige Hunde, die der geniale Künstler per Trickfilm zum Leben erweckte. Für Loriot war das Fernsehmagazin der Beginn einer großen TV-Karriere. Hier saß er zum ersten Mal auf seinem berühmten roten Sofa – wie aber erst nach Einführung des Farbfernsehens im August 1967 zu erkennen war – und kündigte mit süffisantem Lächeln die Beiträge an, die sich um den ganz normalen Wahnsinn des Alltags drehten. So berichtete ein gezeichneter Wissenschaftler namens Arno Lindemann von den verheerenden Folgen übermäßigen Fernsehens auf Hunde, als da wären: Schlaflosigkeit, böse Träume und tagelanges Stottern. Dazu gab es Sketche, in denen sich Loriot gemeinsam mit anderen Schauspielern auf seine unnachahmliche Art über Politik-Prozeduren oder Medien-Rituale wie den „Internationalen Frühschoppen“ lustig machte.

In seiner ersten Fernsehserie, die bis 1972 lief, zeigte Loriot bereits die ganze Bandbreite seines großen Könnens: Mit seinen vor Ironie triefenden Zeichnungen, Trickfilmen und Sketchen mokierte er sich über gestelzte Sprache, gespreiztes Auftreten und bürokratischen Irrsinn. Die legendärsten Skizzen und Sketche entstanden dann aber in Vicco von Bülows folgendem und bekanntestem Fernsehprojekt, der 1976 gestarteten, sechsteiligen Comedyreihe „Loriot“, in der er ganz normale und meist von ihm selbst gespielte Spießer in peinliche Situationen brachte, aber auch Politik und Medien auf die Schippe nahm.

Mit dem Ende von „Loriot“ 1978 endete im Wesentlichen auch Vicco von Bülows steile Fernsehkarriere. Danach wandte er sich unter anderem dem Kino zu und drehte die beiden Filme „Ödipussi“ (1988) und „Pappa ante Portas“ (1991). Der in langjähriger Ehe verheiratete Vater zweier Töchter starb 2011 in Ammerland am Starnberger See im Alter von 87 Jahren und wurde auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße beigesetzt.MARTIN WEBER

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