„POLIZEIRUF“-KRITIK

Ohne große Spannung, aber mit Haltung

von Redaktion

Der jüngste Fall aus Magdeburg beleuchtet am Weltfrauentag das Thema Abtreibung

Wütende Aktivistin: Lara (Luna Jordan) überwältigt Maik (Sebastian Jakob Doppelbauer). © Felix Abraham/ARD

Der Titel dieser „Polizeiruf“-Folge aus Magdeburg ist eine bewusste Verfälschung: Als mehrere obenrum nur mit BH bekleidete Frauen eine Versammlung stürmen, skandieren sie „My Body, my Choice“. Die Parole haben sie in Anlehnung an die feministische Gruppierung Femen auch auf ihre Oberkörper geschrieben: mein Körper, meine Wahl. Damit ist klar: „Your Body my Choice“ ist ein Film mit Botschaft, zumal auch die Haupt- und Identifikationsfigur Stellung zum Thema Abtreibung bezieht.

Im Drehbuch von Annika Tepelmann und Regisseurin Franziska Schlotterer geht es um die Frage, woher sich Männer auch im 21. Jahrhundert noch das Recht nehmen, Gesetze zu erlassen (oder in diesem Fall nicht abzuschaffen), die in erster Linie Frauen betreffen. Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) bringt es sinngemäß auf den Punkt: Paragraf 218 ist ein Relikt aus fünftausend Jahren Patriarchat.

Bis hierher ist das Stoff für ein Mittwochsdrama im „Ersten“, aber sonntags erwarten die Menschen einen Krimi, deshalb beginnt der Film mit einem Todesfall. Eine junge Radfahrerin ist gegen ein Auto geprallt, weil jemand ihr Bremskabel durchtrennt hat. Marwa hat in einer gynäkologischen Praxis gearbeitet, und damit ist der unaufgeregt inszenierte Krimi beim Handlungskern: Ihre Chefin (Jenny Schily) ist eine der letzten Frauenärztinnen in Magdeburg, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Die Praxis bekommt regelmäßig Hass-Mails und Morddrohungen.

Themenfilme pflegen in der Regel zu polarisieren und lassen keinen Zweifel daran, wer die Guten und wer die Bösen sind. Zumindest hier ist das Drehbuch konsequent: Lautester und unsympathischster Teilnehmer der eingangs erwähnten Versammlung ist ein Politiker, der zweifelsfrei eine rechtsextremistische Partei repräsentiert. Prompt gibt es Protest gegen seinen Versuch, die Anti-Abtreibungs-Initiative für politische Zwecke zu kapern. Als die Aktivistinnen die Diskussion unterbrechen, werden mehrere Männer handgreiflich.

Wie die meisten Sonntagskrimis, die eine Botschaft unters Fernsehvolk bringen wollen, ist „Your Body my Choice“ über weite Strecken und selbst inklusive des Finales äußerst spannungsarm. Stattdessen wird viel geredet. Dass die Autorinnen außerdem noch den Faktor häusliche Gewalt ins Spiel bringen, lässt den Film thematisch überfrachtet wirken.TILMANN P. GANGLOFF

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