Elli besitzt ein ganz besonderes Gespür für Gefühle und Zusammenhänge: Die Notfallsanitäterin hat ADHS, nutzt ihre Krankheit aber als Stärke. © Foto: Linda Rosa Saal
Nicht nur in Sozialen Medien ist ADHS ein Dauerthema. Influencerinnen und Influencer stellen die Aufmerksamkeitsdefizit-Störung – mit oder ohne Hyperaktivität – reihenweise bei sich fest, auch die Zahl der offiziellen Diagnosen bei Erwachsenen ist in Deutschland deutlich gestiegen. Heute startet dazu im ZDF eine neue Serie mit Klara Deutschmann („Hubert und Staller“) und Clelia Sarto („Maxton Hall“), die im Karwendelgebirge spielt.
„Einfach Elli“ erzählt von der Notfallsanitäterin Elli, die wie ihre Mutter ADHS hat und daraus eine Superkraft macht, wenn auch nicht immer. Das ZDF zeigt vorerst zwei Folgen, heute und am 19. März um 20.15 Uhr im Fernsehen sowie in der ZDF-Mediathek. Im ersten 90-Minüter „Neuanfang“ startet Elli (Deutschmann) in der Rettungsstelle Karwendel Nord – in schönster Alpenidylle. Es ist ihr Traumjob, doch schon am ersten Tag eckt sie an, noch vor Dienstbeginn. Elli wird Zeugin eines schweren Unfalls und rettet einer Frau das Leben. Als sie deshalb zu spät in der Wache erscheint, ist ihre Chefin sauer.
Elli trifft auf strikte Regularien und Hierarchien, was ihr nicht leichtfällt. Zu schaffen macht ihr auch ein Geheimnis ihrer Mutter Louise (Sarto), das Ellis Leben auf den Kopf stellt. Im zweiten Film „Verzeihen“ muss sie damit klarkommen – und nebenbei Leben retten.
Ihre ADHS lässt ihr Gehirn anders funktionieren. Im Gegensatz zu ihrer Mutter Louise nimmt Elli Tabletten und geht in Therapie, um ihren Traum einer medizinischen Karriere besser verwirklichen zu können. Dennoch macht sich ihre Neurodivergenz bemerkbar. Etwa, wenn sie sich aus einem Impuls heraus über Kompetenzen und Regularien hinwegsetzt, wenn es ihr nötig erscheint. Die Serie bewertet nicht, sondern zeigt ADHS als Superkraft. Denn Elli besitzt ein ganz besonderes Gespür für Gefühle und Zusammenhänge. Sie bemerkt Dinge, die anderen schlicht nicht auffallen und ist äußerst kreativ. Und gerade weil sie so spontan ist, bewirkt sie oft mehr als andere, die stundenlang über einer Sache brüten.
Allerdings: Die Serie wartet nicht mit revolutionär Neuem auf, es ist eine Mischung aus ZDF-Serien wie „Frühling“ und „Der Bergdoktor“. Sehenswert sind die Folgen vor allem wegen Sarto und Deutschmann, die mit viel Herz und Freude als wunderbares Mutter-Tochter-Gespann dabei sind.
Deutschmann sieht bei sich eine Gemeinsamkeit mit Elli: „In den Austausch und die Konfrontation zu gehen, auch wenn das vielleicht unangenehm sein könnte. Elli ist da nur noch etwas besser drin als ich.“ Clelia Sarto findet eher weniger Parallelen zu ihrer Figur der chaotischen Louise. Sie selbst würde die Sachen strukturierter, mit einer größeren Ruhe oder mit einer größeren Klarheit angehen. Dennoch bereitet ihr die Rolle Vergnügen. Und: „Wir reden endlich drüber, wir holen das raus aus dem Verpönten, Neurodivergenz allgemein und jegliche Formen von psychischen Themen“, sagt Sarto, die an Zeiten denkt, als unruhige Kinder als „Zappelphilipp“ galten und mitunter gar bestraft wurden.
Sebastian Griegel ist Ellis Sanitäter-Kollege Felix, Rainer Bock ist zu sehen als Lebensgefährte von Louise. Arztrollen im Krankenhaus spielen unter anderem Sophie von Kessel und Marcus Mittermeier.
Ein weiterer wichtiger Darsteller: die Bilderbuchlandschaft. Gedreht wurde unter anderem in Mittenwald, in Garmisch-Partenkirchen und in St. Johann in Tirol.CORDULA DIECKMANN