Noch mehr Barbara als Shirin: David im Jahr 2016. © H. Kaiser
Früher, sagt Shirin David, wollte sie immer auf die Bühne. Klar, mit etwas Lampenfieber, aber sie habe das Gefühl immer mit Glück in Verbindung gebracht, wie ein „Zuhause-Gefühl“. Heute verspüre sie auch Angst – ein neues Gefühl, das vor den ersten Live-Auftritten gekommen sei. „Es ist so, als wären meine Knie Pudding“, sagt die Sängerin bei einer Bühnenprobe. Was hat sich verändert? Eine Antwort darauf liefert die Dokumentation „Barbara – Becoming Shirin David“, die seit heute bei Netflix zu sehen ist. David, die bürgerlich Barbara Shirin Davidavicius heißt, gehört zu den erfolgreichsten deutschen Sängerinnen. Sieben Nummer-eins-Hits landete sie, unter anderem mit „Bauch Beine Po“, der 2024 obendrein zum offiziellen Sommerhit gekürt wurde.
„Bauch Beine Po“ war der Sommerhit 2024
6,5 Millionen Menschen folgen der 30-Jährigen bei Instagram, bei Spotify wird sie monatlich von rund 2,4 Millionen Menschen gehört. Neben ihrer Musik hat sie eine Eistee-Marke, vermarktet eigene Beauty-Produkte und war auch schon als Coach bei „The Voice of Germany“ zu sehen. Zwei Bambis hat sie gewonnen. David scheint also an der Spitze angekommen zu sein und ein Leben zu führen, von dem viele träumen. Sie selbst sagt, alle Ziele, die sie sich vorgenommen habe, hätten sich eigentlich erfüllt. Doch in der Doku präsentiert die Künstlerin auch eine andere Seite an sich: verletzlich, ruhelos.
Der Film von Regisseur und Drehbuchautor Michael Schmitt zeigt, wie David versucht, die öffentliche, makellose Person Shirin und die private Person Barbara oder „Babsi“ („Mein innerstes Ich“) unter einen Hut zu bekommen. Dabei ringt sie nicht nur mit ihrem Privatleben („Ich habe kein Privatleben“), sondern auch mit dem Druck des Musikgeschäfts und dem Perfektionsdruck, den sie sich selbst macht. Oft scheint die Künstlerin ihren Erfolg nicht richtig genießen zu können.
Zu Wort kommen in den rund 90 Minuten auch Davids Manager Taban Jafari, ihre aus Litauen stammende Mutter Erika und ihre Schwester Patricia. Die Sängerin wächst in Hamburg auf und lebt mittlerweile in Berlin. In ihrer Kindheit spielt klassische Musik eine große Rolle: David lernt etwa Oboe und Geige spielen und tanzt Ballett.
In der Schule, sagt sie rückblickend, hatte sie es schwer, sie sei immer eine Außenseiterin gewesen und habe sich gefragt, „was nicht mit mir stimmt“. Mit 19 Jahren veröffentlicht sie dann ihr erstes Youtube-Video und kommt auf der Plattform groß raus. Später entscheidet sie sich dazu, eine Rap-Karriere zu starten.
„Barbara – Becoming Shirin David“ erzählt nicht nur vom Aufstieg von der Influencerin bis zu einem der aktuell größten weiblichen Superstars Deutschlands, sondern auch, wie David damit umgeht. Die Doku begleitet sie während ihrer Vorbereitungen zur Tour „Schlau aber Blond“, folgt ihr in das Haus ihrer Mutter in Litauen, mit der sie mal Deutsch, mal Litauisch spricht. „Ich fühle mich, als wäre ich in Litauen immer ich“, sagt sie.
Sie spricht über Mobbing im Internet
Auch Hasskommentare in den Sozialen Medien beschäftigen David, wie sie erzählt. In ihren Mittzwanzigern sei sie zwei Jahre lang nicht herausgegangen. Sie spricht von Mobbing im Internet. „Jeder Dreh war für mich eine Qual. Jedes Mal vor die Tür zu gehen, war für mich eine Qual, weil ich immer das Gefühl hatte, dass ich mich für mich schämen musste. Und das hat das Internet geschafft.“ Man könne gegen das Internet nicht gewinnen.
Doch bei all den Schattenseiten des Ruhms bleibt auch eine Erkenntnis: Hinter der Kunstfigur Shirin David steht immer noch Barbara, auf beide sei sie stolz, sagt die Sängerin. Und: „Ohne Barbara gibt es keine Shirin.“SABRINA SZAMEITAT