TV-TIPP

Zweifelhafte Geständnisse

von Redaktion

Der neue „Polizeiruf 110“ aus München überzeugt mit starker Geschichte

Befragung im Gefängnis: Die Kommissare Eden (Stephan Zinner, li.) und Blohm (Johanna Wokalek) fühlen dem Verurteilten Léon Kamara (Yoli Fuller) auf den Zahn. © S. Bernhard/BR

Geständnisse, die nicht zusammenpassen, ein mysteriöser Anwalt und eine Leiche, die es gar nicht geben dürfte – was steckt hinter den widersprüchlichen Fällen im Münchner „Polizeiruf 110: Ablass“, den die ARD am Sonntag um 20.15 Uhr zeigt?

Eine Person in einem Sportwagen tötet nachts einen Radfahrer und in einem Isarwehr taucht eine Leiche auf, die den Ermittlern im neuen „Polizeiruf 110“ Rätsel aufgibt. In beiden Fällen gibt es eigentlich geständige Täter, doch sagen die Männer wirklich die Wahrheit? Die Kommissare Cris Blohm und Dennis Eden haben da so ihre Zweifel.

Johanna Wokalek und „Nockherberg“-Prediger Stephan Zinner stehen in diesem spannenden und intelligent erzählten Krimi wieder als Ermittler-Duo vor der Kamera. Ebenfalls mit dabei: Tobias Moretti. Der Österreicher spielt den Anwalt August Schellenberg, der die Münchner Schickeria vertritt, wenn sie Ärger mit der Justiz hat. So auch dieses Mal. Denn der Sportwagen, der in den Raserunfall verwickelt war, gehört der wohlhabenden Familie Assauer und wurde von ihr als gestohlen gemeldet. Alle sind erleichtert, als sich der Fall löst. Denn bald wird als Dieb und Unfallfahrer der arbeitslose Victor Reisinger (Shenja Lacher) ausgemacht.

Nebenbei landet ein zweiter Fall bei Blohm und Eden auf dem Schreibtisch. Es ist eine Frauenleiche, die offenbar zwei Jahre in der Isar lag und nun an einem Wehr geborgen wurde. Als die Identität der jungen Frau feststeht, wird klar: Es gibt ein Problem. Denn nach ihrem Verschwinden vor zwei Jahren wurde der Asylsuchende Léon Kamara (Yoli Fuller) festgenommen und wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Er hatte damals gestanden, den leblosen Körper der Frau zerstückelt und in den Müll geworfen zu haben. Auch hier gibt es ein Geständnis, das nicht schlüssig ist. Denn dann dürfte es ja jetzt keine Leiche mehr geben.

Der Krimi setzt sich mit Fragen von Schuld, Wahrheit und Sühne auseinander. Und mit zweierlei Maß, mit dem in der Gesellschaft gemessen wird. Die reichen Assauers etwa fühlen sich über die Banalitäten des Alltags erhaben.

Gedreht wurde unter anderem in der Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau im Landkreis Berchtesgadener Land. Laut den Produzenten Uli Aselmann und Sophia Aldenhoven war das kein leichtes Unterfangen. Das Justizministerium habe den Dreh genehmigen müssen. Besonderer Schutz gelte für Gefangene und das Personal. Niemand dürfe gezeigt werden, der nicht ausdrücklich zugestimmt habe. Auch die Sicherheitsvorkehrungen seien sehr hoch, „bis hin zur ständigen Begleitung des Teams durch Vollzugsbeamte“. Doch die Atmosphäre eines echten Gefängnisses lasse sich filmisch kaum künstlich nachbilden, betonen die Produzenten. Drehbuchautor und Regisseur Christian Bach gelingt ein kluger Krimi über eine Welt, „in der das Recht des Stärkeren gilt, wo Politik, Moral und Gerechtigkeit als Deal betrachtet werden“, so Bach.CORDULA DIECKMANN

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