Voller Leidenschaft

von Redaktion

Das Münchener Kammerorchester im Prinzregententheater

Am Anfang war das Chaos. Zumindest, wenn wir uns nach Haydns „Schöpfung“ richten. Das Münchener Kammerorchester (MKO) ging im Prinzregententheater nun aber sogar noch einmal einen Schritt weiter zurück. Vor den biblischen Kreations-Mythos wurde hier ein Stück der Komponistin Yiran Zhao gesetzt, welches das Publikum mit archaischen Trommelklängen in die urwüchsige Natur Skandinaviens entführte.

Das nach den gleichnamigen Gesängen des samischen Volkes benannte „Joik“ war natürlich ein gefundenes Fressen für Schlagzeuger Mathias Lachenmayr. Denn er ließ nicht nur seine Finger wild über das Fell der Rahmentrommel wirbeln, sondern auch das Instrument selbst virtuos über seinem Kopf kreisen. Die letzten Schwingungen gingen dabei nahezu bruchlos in Haydns „Chaos“ über, das als stimmiges Bindeglied zu Toshio Hosokawas „Genesis“ seinen Zweck bestens erfüllte.

Gewidmet ist dieses 2021 vollendete Violinkonzert Veronika Eberle, als Geschenk zur Geburt ihres Kindes. Und so war es nur logisch, dass sie nun auch bei dieser Gelegenheit wieder selbst zum Bogen griff. Wobei sich Eberle erneut in Hochform präsentierte. Gerade beim intensiven Dialog mit dem Orchester, der die Basis für ihre kunstvollen Höhenflüge bildete.

Klassischer wurde es danach mit Beethovens Erster, für die Dirigent Enrico Onofri ein historisch informiertes Klangideal verfolgte, bei dem es hin und wieder auch mal etwas kratzte und die Blechbläser nicht immer ganz sauber daherkamen. Geeicht durch die teils ruppigen Klänge der ersten Konzerthälfte, lag darin aber fast schon wieder eine gewisse Konsequenz. Schließlich lebt Musik nicht nur von Schönklang allein, sondern vor allem von Leidenschaft. Und die lässt sich dem MKO in keinem Fall absprechen.TOBIAS HELL

Artikel 4 von 4