Agenten, Action, alte Feinde – dafür braucht es keinen James Bond. Das deutsche Spionageepos „Unfamiliar“ behauptet sich seit Wochen in den Netflix-Hitlisten und hat es in 80 Ländern in die Top Ten geschafft. In der gefeierten Berlin-Serie geraten zwei Ex-BND-Agenten (Susanne Wolf und Felix Kramer) – die sich mit Restaurant und geheimem Safe House zur Ruhe gesetzt haben – ins Visier alter Feinde. Nachdem ihre Tarnung aufgeflogen ist, stehen russische Agenten, Killerkommandos und die eigene Vergangenheit vor der Tür. Mitten im Chaos gilt es, ihre bröckelnde Ehe zu retten und die Teenagertochter zu beschützen. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht Produzent Andreas Bareiss (Gaumont) über seinen unverhofften Streaminghit und eine mögliche Fortsetzung.
„Unfamiliar“ ist mit knapp 23 Millionen Views ein großer Netflix-Hit. Haben Sie intern mit diesem Erfolg gerechnet oder wurden Sie selbst überrascht?
Wir bei Gaumont freuen uns natürlich riesig über den Erfolg von „Unfamiliar“, aber rechnen kann man damit nicht. Dafür ist das Streamingangebot zu vielfältig und mittlerweile riesig groß – nicht nur bei Netflix, auch auf anderen Plattformen. Ob man sich bei der starken Konkurrenz durchsetzt, kann man vorher nicht wissen.
Was macht diese doch sehr deutsche Agentengeschichte für den internationalen Markt interessant?
Ich glaube, das Genre ist generell beim Publikum beliebt. Aber in unserem Fall spielt schon das Familiendrama, das eng mit der Spionagegeschichte verwoben ist, eine besondere Rolle. Es spricht universelle Gefühle an, die über die Grenzen hinweg funktionieren.
Was war für Sie der ausschlaggebende Punkt, „Unfamiliar“ zu produzieren – eher das Genre oder die konkrete Geschichte?
Ganz klar das Genre! Ich wollte schon immer eine Spionagegeschichte erzählen, aber aus deutscher Sicht hat sich das in der Vergangenheit nicht so einfach dargestellt. Die ausländischen Geheimdienste wie CIA, MI6 oder der Mossad waren immer interessanter fürs Publikum und hatten einen größeren Glamourfaktor. Als Sabine de Mardt und ich das Drehbuch von Paul Coates gelesen haben, mit diesem starken familiären Bezug, da hat die Serie für uns Sinn ergeben.
Ist das Gelingen einer solchen Serie abhängig von Geld oder Kreativität?
Im Vordergrund steht natürlich Kreativität. Man kann auch mit wenig Geld Formate umsetzen, die gut aussehen. Aber jedes Genre hat Elemente, die teuer sind. Und man darf nicht vergessen, dass man sich mit einer Serie, die beim Streamingdienst erscheint, internationaler Konkurrenz aussetzt. Gegen die muss man bestehen – auch wenn es um Action- und Kampfszenen oder Verfolgungsjagden geht. Dafür braucht es entsprechende Produktionsmittel.
Mittel, die ein deutsches Krimiformat im linearen Fernsehen nicht hat? Oder mangelt es da gelegentlich an Kreativität?
Im Prinzip kommt es immer auf die Geschichte an. Trägt meine Story, ist sie spannend genug? Aber ich habe früher auch schon den einen oder anderen „Tatort“ produziert, wie „Frau Bu lacht“, und weiß: Da gibt es einen Rahmen, der durch das Korsett der Figuren gesteckt ist. Und dann sind die Mittel begrenzt. Für einen „Tatort“ hat man etwa 22 Drehtage. Für zwei Folgen „Unfamiliar“, die zusammen ebenfalls 90 Minuten lang sind, haben wir 30 Drehtage.
Gibt es bereits konkrete Überlegungen für eine zweite Staffel von „Unfamiliar“?
Die Entscheidung für eine zweite Staffel steht noch aus. Bei Projekten dieser Größenordnung gibt es viele unterschiedliche Faktoren, die dafür ausschlaggebend sind. Aber tatsächlich hatte der Autor Paul Coates schon sehr früh eine erste Idee für eine zweite Staffel. Und wir hätten große Lust drauf.