POLIZEIRUF 110

Postkartenidylle ohne Spannung

von Redaktion

Die Kommissare Ross und Rogov ermitteln in einem reichlich biederen Fall in Potsdam

Cooles Duo: Ross (André Kaczmarczyk, li.) und Rogov (Frank Leo Schröder) ermitteln in Potsdam. © Christoph Assmann/rbb

Sollte Regisseur Felix Karolus vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) den Auftrag bekommen haben, die Stadt Potsdam im jüngsten „Polizeiruf“ möglichst attraktiv aussehen zu lassen, so ist ihm dies geglückt. Der Tatort im Fall „Goldraub“: eine Goldschmiede in bester Potsdamer Altstadtlage. Der Juwelier wurde bei einem Raubüberfall erschossen. Gleich zu Beginn gibt es Drohnenflüge über gepflegte Klinkerhäuser, die Kommissare Vincent Ross (André Kaczmarczyk) und Karl Rogov (Frank Leo Schröder) schlendern über Kopfsteinpflaster durch liebevoll bepflanzte Gässchen zur Goldschmiede – wo die blutüberströmte Leiche auf sie wartet.

Die Auswertung der Überwachungskamera zeigt, dass die Täter Clownsmasken trugen. Eine neue Tat der „Clownsbande“, die im deutsch-polnischen Grenzgebiet ihr Unwesen treibt? Kommissar Ross – wie immer lässig in Schwarz, mit Kajal und Sonnenbrille – hat da schnell seine Zweifel.

So schön die Drehorte, so bieder die Geschichte. In ihrem siebten Fall folgen Ross und sein Kollege hauptsächlich den Spuren, die die Täter hinterlassen haben. Ohne jede Spannung begleitet die Kamera Rogov und eine Kollegin mit Spürhund in einen Park, wo sie erst einen toten Räuber und später – welch glücklicher Zufall! – eine Pistole im Gebüsch finden. Auch sonst werden den Ermittlern Indizien und Verdächtige wie auf dem Silbertablett serviert.

Kaczmarczyk und Schröder kann man keinen Vorwurf für das altbackene Drehbuch (Peter Dommaschk, Ralf Leuther, Felix Karolus) machen. Sie holen das Beste aus ihren Rollen heraus, spielen die Kommissare routiniert und empathisch. Ross etwa leidet mit, als er die Ehefrau des Ermordeten, Goldschmiedin Bettina Michalski (Deborah Kaufmann), vor dem Geschäft kauern sieht. Auch, als er sie später zu Hause aufsucht, findet er warme Worte, statt sie knallhart auszufragen.

Angenehm anzuschauen ist es auch, dass dieses Ermittler-Duo einfach harmoniert und ohne alberne Neckereien auskommt. Selbst als Rogov Ross eines Morgens verschlafen und nur mit Netzhemd bekleidet im Polizeirevier vorfindet, kommentiert er das nicht weiter.

In „Goldraub“ dürfen sich Krimi-Fans schnell schlauer als die Ermittler wähnen: Der Sohn des Juwelier-Ehepaars, Nico Michalski (Jakob Fließ), kommt von Anfang an etwas zu freundlich daher. Die Wandlung zum irren Spielsüchtigen, der seine Mutter mit einer Waffe bedroht, scheint wie ein verzweifelter Versuch, kurz vor Schluss noch etwas Spannung zu erzeugen. Beim nächsten Fall bitte etwas mehr Aufregung für Ross und Rogov, denn sie haben es verdient.JANINA VENTKER

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