Kriegs-Epos in Starbesetzung

von Redaktion

Die ARD zeigt die Minisersie „Sternstunde der Mörder“ mit Jonas Nay und Nicholas Ofczarek

Der Prager Ermittler Jan Morava (Jonas Nay) jagt einen Serienmörder. © Christopher Schier/ARD Degeto Film/dpa

Prag, im Februar 1945: Luftschutzsirenen heulen, kurz darauf fallen Bomben auf die bis dahin weitgehend unversehrte Stadt. Mehr als 700 Menschen sterben, zahlreiche Gebäude werden zerstört – amerikanische Piloten hatten Prag eigenen Angaben zufolge mit Dresden verwechselt. In diesem historischen Ausnahmezustand setzt der ARD-Mehrteiler „Sternstunde der Mörder“ ein, den die ARD am Karfreitag um 20.15 Uhr und in der Mediathek zeigt.

Parallel zu den Angriffen erschüttert in der viermal 45-minütigen Minireihe eine grausame Mordserie die Stadt. Ein Täter überfällt wohlhabende Witwen, tötet sie auf brutale Weise und entnimmt ihnen Organe. Kriminalassistent Jan Morava (gespielt von Jonas Nay) übernimmt die Ermittlungen, steht jedoch unter der Aufsicht des Gestapo-Beamten Erwin Buback (Nicholas Ofczarek). Während der Krieg seinem Ende entgegengeht und der Widerstand wächst, droht der Mörder im Chaos unterzutauchen.

Die Vorlage zum bildgewaltigen Serienepos stammt vom tschechischen Dramatiker Pavel Kohout, der die letzten Kriegsmonate selbst erlebte. Regisseur Christopher Schier fängt die düstere Atmosphäre eindringlich ein und ergänzt sie um eine zurückhaltende Liebesgeschichte. Für Jonas Nay war die Rolle eine besondere Herausforderung: Er spricht nicht nur Deutsch mit tschechischem Akzent, sondern auch Tschechisch, das er eigens für die Dreharbeiten lernte.

An dem fertigen Mehrteiler gefällt ihm besonders die Bildgestaltung des Kameramanns Philip Peschlow: „Es zieht einen so unheimlich in diesen Tunnel – und man fällt da nie raus, weil irgendwo irgendetwas visuell nicht stimmig wäre.“ Kriminalassistent Morava ist für Nay jemand, der einen „sehr positiven inneren Drive hat“ und versucht, trotz der schwierigen Umstände Moral und Menschlichkeit aufrechtzuerhalten.

In zahlreichen Hollywood-Filmen hat Prag als Kulisse für andere Städte gedient. Hier ist es zur Abwechslung einmal umgekehrt: Gedreht wurde nämlich in Wien, dem Zentrum der einstigen österreichisch-ungarischen Monarchie, zu der auch das Königreich Böhmen mit Prag gehörte. Womit sich der Kreis wieder geschlossen hätte.MICHAEL HEITMANN

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