„Der Tatort war ein großes Glück“

von Redaktion

Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl über 35 Jahre als Münchner TV-Kommissare

Nach 35 Jahren ist nun wirklich Schluss. Ostersonntag und Ostermontag laufen, jeweils um 20.15 Uhr im Ersten, die letzten „Tatort“-Folgen mit Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec als Franz Leitmayr und Ivo Batic. Lesen Sie in der Abschlussfolge unserer Serie, wie die beiden Schauspieler auf den Anfang und das Ende sowie Höhen und Tiefen ihrer Zeit als Münchner Kult-Duo blicken.

■ Die Anfänge

Ende der Achtzigerjahre stand fest: Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl sind das neue „Tatort“-Team des Bayerischen Rundfunks. 1991 lief ihre erste Folge mit dem Titel „Animals“. Welche Erinnerungen haben die beiden an diese Zeit? „Man wusste um den Stellenwert des ,Tatorts‘“, sagt Udo Wachtveitl in dem Buch „Nemec und Wachtveitl – Das Münchner Kult-Duo“ von unserer Redakteurin Stefanie Thyssen. „Und ich erinnere mich, dass ich mich schon sehr gefreut habe, klar.“ Nemec: „Der ,Tatort‘ war ja nicht irgendein Krimi. Schimanski zum Beispiel war damals schon sehr beliebt und unkonventionell.“ Wachtveitl: „Aber so wie Schimanski wollte ich nicht sein. Mir war das zu viel Männerkitsch.“

Gute Krimi-Geschichten wollten sie erzählen. „Und in dem Rahmen haben wir uns einen Umgangston erlaubt, der im Gegensatz stand zu der soignierten Kommissars-Figur, wie sie im ZDF vorkam. Erik Ode waren wir nicht“, so Wachtveitl. Nemec sagt: „Wir waren angriffslustiger, manchmal auch aggressiver. Ungeduldiger. Einfach jünger – und vor allem zwei Partner, die gleichberechtigt, auf Augenhöhe agieren.“

Nemec war auch der erste „Tatort“-Kommissar mit Migrationshintergrund – nur, dass damals viel weniger Aufhebens um diese Tatsache gemacht wurde als heute. „Wir haben überhaupt kein Thema draus gemacht. Der Ivo war einfach da“, sagt Nemec rückblickend. „Seine Herkunft spielte im Grunde keine Rolle – nur insofern, dass er ab und zu auf Kroatisch geflucht hat.“

■ Höhen und Tiefen

Wer 35 Jahre lang zusammenarbeitet, der macht ganz viel richtig (auf die Highlight-Folgen haben wir im Lauf der Woche schon zurückgeblickt), aber man durchlebt auch Krisen. Ein paar Mal stand die Beziehung der beiden Schauspieler Spitz auf Knopf – vor allem für Miroslav Nemec waren das durchaus schwere Situationen. „Es geht beim Hinwerfen ja auch immer um die Frage: Habe ich Existenzangst oder habe ich keine? Und ich kann für mich nur antworten: Ich habe sie.“ So formulierte er es einmal im Gespräch mit unserer Zeitung. Natürlich spiele dabei auch eine Rolle, dass er seine Familie ernähren wolle. „Aber das ist nicht das entscheidende Argument. Ich will für mich Arbeit haben.“ In dem Punkt sind Nemec und Wachtveitl unterschiedlich. Wachtveitl „wollte nie abhängig sein: von nichts und niemandem, finanziell nicht und emotional auch nicht“, sagt er. „Das beinhaltet natürlich auch, dass das Gefühl, ein gesichertes Auskommen haben zu müssen, nicht an erster Stelle steht.“

■ Der Abschied

Sie wollten gehen, solange die Leute noch sagen: „Ach, wie schade.“ Das haben sie geschafft. Wo immer die beiden in den vergangenen Wochen aufgetreten sind, gab es minutenlangen Applaus von wehmütigen Fans, die ihren Sonntagabend einfach gern mit Batic und Leitmayr verbracht haben. Gleichwohl steht fest: Der Zeitpunkt zu gehen, ist gut. (Noch) länger zu ermitteln, hätte dem Anspruch nicht mehr standgehalten, realistische Filme zu drehen. Nemec (71) und Wachtveitl (67) selbst blicken zufrieden auf ihre TV-Ära. Bei einem Abend des Münchner Blaulicht-Vereins unlängst im Institut für Rechtsmedizin wurden sie nach den emotionalsten Momenten ihrer Karriere gefragt. „Die letzte Klappe, die war schon etwas Besonderes“, sagte Wachtveitl da und wirkte angefasst. Nemec, der der Emotionalere von beiden ist, pflichtete ihm bei. „Ja, da wurden wir schon sentimental.“ Der „Tatort“, da sind sie sich einig, ist ein großes Geschenk gewesen. Für die Zuschauer – und für sie selbst.STEFANIE THYSSEN

Artikel 5 von 5