„Aus der Schnatterzone“

von Redaktion

Schriftstellerinnen werfen Kritiker Denis Scheck Sexismus vor

Denis Scheck hatte in seiner Sendung „Druckfrisch“ die Kontroverse ausgelöst. © Jens Kalaene, Christian Charisius. Jan Woitas

Nach zwei kontroversen Buchbesprechungen des Fernsehkritikers Denis Scheck wehrt sich die ARD gegen Kritik an der Literatursendung „Druckfrisch“. Dort gebe es „keinen Raum für Frauenfeindlichkeit“, teilte das Erste mit. „Der Redaktion ist der große Verdienst von Frauen für die Literatur sehr bewusst.“

Zuvor hatten zwei negative Buchbesprechungen des Literaturkritikers Scheck, der die Sendung seit mehr als 20 Jahren moderiert, eine Debatte um Sexismus ausgelöst. In der am 29. März ausgestrahlten Folge lässt der 61-Jährige kein gutes Haar an den neu erschienenen Werken der Autorinnen Sophie Passmann („Wie kann sie nur?“) und Ildikó von Kürthy („Alt genug“). Passmanns Buch beschreibt Scheck mit den Worten: „Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins“. In dem Buch der Bestsellerautorin von Kürthy sieht der Kritiker vor allem „Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit“.

Passmann wehrte sich auf Instagram. „Dieser Verriss hat mich sehr beschäftigt, weil der sehr böse war, aber vor allem sehr sexistisch.“ Die 32-Jährige sagte weiter, dass Scheck Bücher von Frauen, „die von weiblichen Lebensthemen“ handelten, grundsätzlich mit Arroganz und Herablassung behandele. Ildikó von Kürthy hatte sich auch in einem Beitrag für die „Zeit“ zu Wort gemeldet und direkt auf den Verriss ihres Buches reagiert. „Viele meiner Leserinnen haben mir geraten, diese bemüht bösartige Kritik zu ignorieren. Aber, ganz ehrlich? Das habe ich lange genug getan. Und jetzt bin ich endlich alt genug, um so eine Respektlosigkeit, so eine Verachtung der lesenden und schreibenden Frauen nicht mehr kommentarlos hinzunehmen“, schrieb die 58-Jährige.

Die von Scheck knapp vorgetragenen Besprechungen sind Teil der Rubrik „Top Ten“. Diese ist ein fester Bestandteil der Sendung. Scheck bespricht dabei in wenigen Minuten die derzeit zehn meistverkauften Bücher der Spiegel-Bestsellerliste. Wenn er ein negatives Urteil über ein Buch fällt, wirft er es auf eine Rollenrutschbahn, die zu einer Müllkiste führt. So auch die beiden Bücher der Autorinnen Passmann und von Kürthy. Auf dpa-Nachfrage sagte der 61-Jährige, er bemühe sich seit 23 Jahren bei der Besprechung der Bestsellerlisten „auf engstem Raum um eine ebenso pointierte wie nachvollziehbare Bewertung höchst unterschiedlicher Texte“. Schecks Besprechungen gelten, so der Literaturkritiker, „den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern. In der Liste der März-Sendung habe ich vier Bücher von Frauen teilweise enthusiastisch gelobt, drei negativ besprochen.“DPA

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