Abgründe im Kinderland

von Redaktion

Kölner „Tatort“-Team trifft auf cholerischen Moderator

Einen schillernden Moderator spielt Max Giermann (re.), vor allem aus „Switch Reloaded“ bekannt. © Martin Valen/WDR

Die Leiche eines Kameramanns liegt im Kofferraum eines ausgebrannten Autos. Der Mord an Stefan Glück führte die Kölner „Tatort“ -Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) in der Folge „Showtime“ hinter die Kulissen einer TV-Kindersendung. Generationen von Kindern sind mit der Kult-Show „Sachen und Lachen“ aufgewachsen. „Gesicht“ der Sendung ist seit jeher der beliebte Moderator Frank Anders – gespielt von Komiker Max Giermann. Zusammen mit seiner Frau Caro (Silvina Buchbauer) erklärt er Jungen und Mädchen die Welt.

Auch Schenk ist begeisterter Zuschauer und deshalb glatt ein bisschen aufgeregt, als er wegen der Ermittlungen die Produktionsstudios besuchen und die „Promis“ treffen darf. „Meine Enkelin und ich sind Riesen-Fans“, sagt er zu Anders, als er ihn zu Ballaufs Entsetzen um ein Foto bittet – denn der hat wenig Sinn für so etwas und kennt nicht einmal die Sendung. „Mein Gott, hattest du denn gar keine Kindheit?“, fragt Schenk seinen Kollegen fassungslos.

Doch auf Schenks nostalgische Schwärmerei folgt schon bald die Ernüchterung. Denn wenn die Kamera aus ist, herrscht am Set keineswegs heile Welt, und der vermeintlich stets nette und gut gelaunte Moderator Anders entpuppt sich als Choleriker, der mit übelsten Schimpftiraden um sich wirft. Besonders Yassin Meret (Erkan Acar), der als tapsiger Tapir Tassilo ebenfalls zu den Stars der Kindershow gehört, ist oft Zielscheibe von Anders’ Ärger. Als am Tatort Fellteile von Merets Kostüm gefunden werden, gerät er ins Visier von Ballauf und Schenk.

Mit „Showtime“ ist Regisseurin Isabell Šuba (Drehbuch: Arne Nolting und Jan Martin Scharf) gleich bei ihrer „Tatort“-Premiere eine spannende und vor allem kurzweilige Folge gelungen, die mit viel Augenzwinkern daherkommt, ohne ins Alberne abzugleiten. Max Giermann, vor allem für seine Parodien bekannt („Switch Reloaded“), kann als schillernder Moderator hier sein Verwandlungstalent auf andere Weise zeigen. Einfach herrlich, wie überzeugend er die zwei Seiten seiner Rolle herausspielt.

Gewöhnungsbedürftig ist der häufig eingesetzte Splitscreen, der manchmal schlichtweg überflüssig und deshalb nervig ist – etwa wenn Schenk und Ballauf in getrennten Bildern gezeigt werden, obwohl sie nebeneinander im Auto sitzen. Doch der geteilte Bildschirm ist auch schon der einzige kleine Wermutstropfen an einem insgesamt sehr unterhaltsamen „Tatort“-Abend.PETRA ALBERS

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