Mutter-Tochter-Duo mit grünem Daumen: die Schauspielerinnen Kathrin Ackermann (li.) und Maria Furtwängler im Garten. Beide haben eine große Liebe zur Natur. © Erik Sick/NDR
In Deutschland gibt es mehr als 17 Millionen Privatgärten. Ein riesiges Potenzial, um bedrohten Tier- und Pflanzenarten mehr Lebensraum zu geben. Schauspielerin und Ärztin Maria Furtwängler will diese Chance sichtbar machen. In der neuen ARD-Doku „Deutschland, deine Gärten“ reist die 59-jährige „Tatort“-Kommissarin heute um 20.15 Uhr quer durch die Republik, um aus sterilen Grünflächen artenreiche Paradiese zu machen. Im Interview spricht Furtwängler über den Garten ihrer Mutter, die Fähigkeit zum Staunen und ihr persönliches Gegensteuern zum gesellschaftlichen Frust.
Frau Furtwängler, teilen Sie und Ihre Mutter die Vorstellung, was einen schönen Garten ausmacht?
Ich habe in diesem Garten mein erstes „Gartengefühl“ bekommen und zunächst viel von meiner Mutter übernommen: Ein schöner Rasen sieht im Grunde aus wie ein Golfrasen. Keine Blüte, kurz gemäht. Damals habe ich von ihr gelernt: Der Löwenzahn ist der Erzfeind des Rasens und muss ausgestochen werden. So ein Rasen wirkt für mich heute trist und leblos, da hat sich mein Blick über die Jahre total verändert. Das ist mir besonders aufgefallen, als wir überlegt haben, wo wir denn hier eine kleine, neue Blumenwiese anlegen könnten. Meine Mutter hat da nur sehr ungern ihre sonnigste Wiesenstelle hergegeben.
Hand aufs Herz, wie weit ging dieser kleine Generationenkonflikt im mütterlichen Garten?
Natürlich seufzt meine Mutter, wenn ich sage: Ach, lass den Löwenzahn doch leben und die Brennnesseln bei den Sträuchern stehen. Zum Glück hat sie eine natürliche Aversion gegen jegliche Gifte im Garten. Alles in allem hat meine Mutter meine Liebe zur Natur schon stark befördert. Dazu gehört auch das Staunen. Das ist mir auf einer gemeinsamen Reise aufgefallen, dass wir beide an den gleichen Stellen stehen bleiben und sagen: Guck mal hier! Und staunend vor einer besonderen Pflanze oder einem Käfer stehen.
Ist Ihr Engagement für die Natur eher Entspannung oder Pflicht?
Engagement ist immer auch Arbeit. Wenn ich eine Kampagne mache oder eine Doku drehe, dann ist das Arbeit: Wie können wir das Thema am besten umsetzen, wo müssen wir hin, um den Zuschauern Lust auf anderes Gärtnern zu machen? Wer sind die interessantesten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für das Projekt? Aber genährt wird das Ganze aus meiner wirklich tiefen, tiefen Liebe zur Natur und dem Wissen, dass wir ein Teil von ihr sind und unser Wohlergehen davon abhängt, wie wir in Zukunft mit ihr, mit der Schöpfung, umgehen.
Jetzt könnte man sagen, Sie gehören zu den Privilegierten der Gesellschaft. Engagement muss man sich auch leisten können.
Keine Frage: Wenn ich mir Sorgen machen muss, wie ich meine nächste Miete bezahle, scheint Naturschutz wie ein Luxusthema. Dabei machen wir uns oft nicht bewusst, dass wir alle von funktionierenden Ökosystemleistungen abhängen. Jedes Glas Wasser, das wir trinken, jeder Atemzug, jeder Apfel hängt von funktionierenden Ökosystemen ab. Und wenn ich mir dann bewusst mache, dass 60 Prozent der Böden und 80 Prozent der Ökosysteme in der EU in schlechtem Zustand sind, dann muss mir klar werden, dass das kein Elitenthema ist.
Sehen Sie die Lage so dramatisch?
Ja. Das Problem ist, dass Politik und Medien angesichts der Fülle der anderen Krisen diese Krise, die sich scheinbar langsam und dann doch so unerhört schnell ereignet, nicht priorisieren. Zwar werden uns die Gärten in Deutschland am Ende nicht alleine retten können, aber wir können mit ihnen viel für die heimische Artenvielfalt tun.