Feiert am Sonntag seinen 75. Geburtstag: Christopher Cross. © dpa
Das Saallicht geht an und in vielen Gesichtern ist leichte Ungläubigkeit erkennbar. Gerade erst hatte Christopher Cross das Publikum im ausverkauften Münchner Circus Krone mit „Ride like the Wind“ von den Sitzen gerissen, da ist er auch schon wieder verschwunden, nach gut 80 Minuten. Trotz lautstarker Forderungen nach mehr bleibt es dabei: Das einstige Wunderkind, das am Sonntag seinen 75. Geburtstag feiert, hat gespielt, was zu spielen war. Und das war zwar kurz, aber gut.
Andererseits kann man wohl froh sein, dass Cross überhaupt aufgetreten ist, letzte Woche hatte er krankheitsbedingt noch Konzerte abgesagt. Selbstbewusst eröffnet Cross seinen Auftritt gleich mit den zwei Hits „All right“ und „Never be the same“, was man mutig finden kann. Denn nach seinem sensationell erfolgreichen, mit Grammys bedachten Debüt 1980 versank er überraschend schnell für Jahrzehnte in der Versenkung und hatte nach 1982 überhaupt keine Lieder mehr in den Hitparaden. Er galt über Nacht als Paradebeispiel des dekadenten „Yacht-Rock“, also eingängigem, auf Hochglanz poliertem Pop, der plötzlich etwas lahm wirkte neben dem elektronisch angehauchten New Wave und spektakulären Entertainern wie Prince und Michael Jackson oder aufrechten Rockern wie Bruce Springsteen.
Das war natürlich unfair, und Cross geht offensiv mit seinem Image um. Als Bühnendekoration dient der berühmt-berüchtigte rosa Flamingo von der Plattenhülle seines Erstlingsalbums, und auf der Bühne setzt er auf Saxofon, Bar-Piano und glamourös aufgemachte Hintergrundsängerinnen. Wenn schon, dann richtig. Und was soll man sagen: Das Konzept geht auf, Cross begeistert mit seinem geschmeidigen Pop, auch wenn er viele Stücke spielt, die er als „Deep Cuts“ bezeichnet. Also reichlich unbekannte Lieder seiner späteren Alben, etwa das tatsächlich sehr hübsche „Light the World“. Makellos arrangiert, auf den Punkt von den exzellenten Mitmusikern gespielt und oft überraschend tanzbar. Immer noch gut bei Stimme und mit Selbstironie führt Cross durch den Abend und man fühlt sich sehr gut aufgehoben bei dem Mann aus Texas. Um das Publikum auf die richtige Betriebstemperatur zu bringen, hatte Cross zuvor ausgesprochen clever die Rampensau Austin Jenckes vorgeschickt. Und dem Mann aus Nashville gelingt es innerhalb kürzester Zeit, nur mit einer Akustikgitarre den Saal zu begeistern. Er spielt sogar noch schamlos „Twist and Shout“, um sicherzugehen, dass alle Lust haben, weiterzufeiern. Cross weiß, wie das Geschäft funktioniert – das muss man ihm lassen.ZORAN GOJIC