Szene aus „Könige der Nacht“. © Sava Hlavacek/SR
Moya Alemu (Nambitha Ben-Mazwi, l.), Yaro Alemu (André Nkot Olinga, M.) und Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher). © Claudio Fäh
Eigentlich will die Fahrradkurierin Moya (Nambitha Ben-Mazwi) in Zürich nur ein paar bestellte Pizzen ausliefern. In der Penthouse-Wohnung läuft eine Party, sie übergibt die Bestellung und geht. Angst und Misstrauen stehen ihr ins Gesicht geschrieben: Die junge Frau ist aus Äthiopien geflohen, lebt ohne Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz und arbeitet illegal unter falschem Namen. Im Schweizer „Tatort: Könige der Nacht“, den das Erste an diesem Sonntag um 20.15 Uhr zeigt, geht es um Ausbeutung, Unmenschlichkeit und Migration. Es ist der letzte Fall vor der Sommerpause und der elfte für die Kommissarinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher).
Beim Verlassen des Hauses sieht Moya Wachleute und versteckt sich. Auf der Suche nach einem Ausgang beobachtet sie, wie zwei Personen eine Leiche entsorgen. Sie flieht, verliert den Ausweis ihrer Freundin und geht verstört nach Hause – zur Polizei kann sie nicht. Am nächsten Tag wird ein Toter im Wasser gefunden: Es ist Ruven, der drogenabhängige Sexarbeiter, dem sie die Pizza brachte.
Kurz darauf stirbt auch Moyas Freundin. Die Ermittlerinnen erkennen Zusammenhänge und spüren Moya auf, die von Nambitha Ben-Mazwi eindringlich gespielt wird. Doch wie verlässlich ist sie als Zeugin? Bei einer Gegenüberstellung identifiziert sie ausgerechnet den IT-Spezialisten Justus Reynier aus dem Polizeipräsidium. Während Ott und Grandjean dem Penthouse-Besitzer näherkommen, wird der Fall zunehmend bizarr. Regisseur Claudio Fäh nutzt das für einen düsteren Thriller mit drastischen Bildern und beklemmender Inszenierung.
Der Fokus liegt diesmal weniger auf den Unterschieden der Kommissarinnen, sondern auf dem moralischen Dilemma, in dem sie stecken: Staatsanwältin Anita Wegenast will Moya trotz Schutzversprechen abschieben. Zwischen Gesetz und Menschlichkeit finden Ott und Grandjean eine unkonventionelle Lösung.DPA