„TATORT“-KRITIK

Die im Dunkeln sieht man nicht

von Redaktion

Der neue Zürcher Fall über eine Illegale wirkt ein wenig konstruiert

Grandjean (Anna Pieri-Zuercher) und Ott (Carol Schuler, v. re.) befragen Moya (Nambitha ben Mazwi, 2. v. li.). © SRF

Der Neue im Team: Basil Eidenbenz als Justus Reynier, hier mit Tessa Ott (li.), und Isabelle Grandjean. © SRF

Ihre Motive könnten unterschiedlicher nicht sein, doch was diese Menschen eint, ist, dass ihnen die Dunkelheit, die Anonymität, Schutz bietet – dem jungen Sexarbeiter aus Mazedonien, seinem gut situierten Stammfreier, der ein Doppelleben führt, zwei Ganoven, die ihn damit erpressen wollen, schließlich die „Illegale“ aus Afrika, die plötzlich zu viel weiß. Wenn hier ein Mord geschieht, halten die Zeugen lieber den Mund. „Könige der Nacht“ lautet der Titel des neuen ARD-„Tatorts“ aus der Schweiz – ganz schön zynisch, denn nur einer, der Täter, kann hier seine Allmacht ausleben.

Es ist eine nicht schlecht gebaute Geschichte, die Mathias Schnelting erzählt – mit dem Fokus auf eine junge Frau (Nambitha ben Mazwi als Moya), deren durch ihre (Über-)Lebensumstände erzwungenes Schweigen ein weiteres, ganz und gar unschuldiges Opfer fordert. Schnelting installiert, das allerdings wirkt etwas konstruiert, in seine Story die Figur des Bösewichts, der – aus dem Nichts kommend – aushilfsweise ausgerechnet bei der Zürcher „Leib und Leben“ arbeitet. Der Sadist mit dem sanften Blick (Basil Eidenbenz als Justus Reynier) sorgt für den entscheidenden Twist und am Ende auch für den effektvollen Showdown, bei dem ordentlich Geschirr zerschlagen wird.

Bei den Details schaut man besser nicht so genau hin – Ermittlerinnen, die ohne Handschuhe arbeiten (wo ist in Zürich eigentlich die Kriminaltechnik?), eine junge Afrikanerin, die sich zwar permanent verstecken muss, aber trotzdem jeden Morgen ihre immer gleiche Joggingrunde dreht. Carol Schuler und Anna Pieri-Zuercher als Kommissarinnen Ott und Grandjean zeigen – wie meistens – nur durchschnittliche Leistungen (mag sein, dass durch die Synchronisation vieles an Emotionen verloren geht), und werden locker in den Schatten gestellt durch ben Mazwis intensives Spiel (Regie: Claudio Fäh).

Dass die beiden Polizistinnen Moya am Ende das Untertauchen ermöglichen, ist wohl der Political Correctness geschuldet, der sich viele „Tatort“-Macher verpflichtet fühlen. Menschlich verständlich, aber irgendwie auch platt.RUDOLF OGIERMANN

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