Per Anruf abserviert

von Redaktion

Letzte Folge schon im Juni: Der BR stellt die Radiosendung von Stofferl Well ein

Enttäuscht vom Bayerischen Rundfunk: Stofferl Well. Auch Fritz Egner (kl. Foto), der über Jahrzehnte das BR-Publikum begeisterte, wurde abserviert. © Bodmer, Jantz

Der Nächste bitte: Der Bayerische Rundfunk hat sich in den vergangenen Monaten schon von einer ganzen Reihe von Alt-Stars verabschiedet – manche sagen auch: Sie wurden teils kalt abserviert. Radiolegende Fritz Egner machte keinen Hehl daraus, dass seine Sendung „Fritz & Hits“ Ende 2024 zum Unwillen des Moderators eingestellt wurde. Werner Schmidbauers BR-Sendereihe „Gipfeltreffen“ ist – das allerdings eine Entscheidung des Gastgebers – Geschichte, das Gleiche gilt für „Gernstl unterwegs“. Nun hat es nach Informationen unserer Zeitung Stofferl Well erwischt.

Der Kabarettist, einst bei der Biermösl Blosn, hatte im Radio, bei BR Heimat, eine eigene Sendung: „Stofferls Wellmusik“. Sie lief jeden ersten Sonntag im Monat. Dort präsentierte der 66-Jährige Volksmusik, wie er sie mag – von der Ikone Wastl Fanderl bis hin zu den Toten Hosen, mit Studiogästen von Ude bis Polt. Damit ist nun Schluss: Anfang Juni läuft die letzte Sendung, teilte ihm ein Redakteur mit.

„Das war ein Rausschmiss am Telefon“, sagt Well unserer Zeitung. Zumindest ein persönliches Gespräch vorab mit den Verantwortlichen wäre doch angebracht gewesen, findet er. Die offizielle Begründung verwundert ihn auch: Er sei mit seinen 66 Jahren zu alt. Es gebe Statuten, die das Aus erzwängen. Dabei ist Well ja kein BR-Redakteur mit festem Pensionsanspruch, sondern freischaffender Künstler.

Der BR bestätigt das Aus auf Nachfrage unserer Zeitung und teilt mit: Stofferl Well habe das BR-Publikum mit seiner Leidenschaft für bayerische Volksmusik und Kultur „über viele Jahre begeistert“. Mit der Sendung am 7. Juni um 14.05 Uhr verabschiede er sich „in den Ruhestand“ und sage seinem Publikum nach über 100 Ausgaben „Wellmusik“ Pfüa Gott.

Corbinian Lippl, Redaktionsleiter Heimat beim BR, erklärt auf Nachfrage: „Einen wie Stofferl Well gibt’s nur einmal! Als Gestalter ganz besonderer Gesprächsformate, in denen er Kolleginnen und Kollegen aus (Volks-)Musik, Kabarett und Kleinkunst vorstellte, hat er Geschichten aus Bayern auf seine ganz besondere Art erzählt – boarisch-handfest, dabei stets hintergründig und informativ. Für seine vielfältigen und einzigartigen Sendungen bedanken wir uns von Herzen.“

Für Stofferl Well geht es derweil um mehr als um seine eigene Personalie. Die Einstellung seiner „Wellmusik“ nach 104 Sendungen sei ein Beispiel für eine „katastrophale Entwicklung“. Die Volksmusik beim BR habe seit dem Tod von BR-Heimat-Chef Stefan Frühbeis im vergangenen Jahr an Stellenwert eingebüßt. Das original Bayerische gerate im Sender zunehmend ins Hintertreffen – zugunsten von seichter Kost. Zuletzt lief etwa die Serie „Maibaum Hunters“. Die „RTL-isierung“ des BR habe damit voll eingesetzt, sagen manche.

Übrigens: Stofferl Well hatte auch eine BR-Fernsehsendung: „Strawanzen“ – dort erkundete er auf einem alten Motorrad das urige Bayern. Neue Folgen werden aber schon länger nicht mehr gedreht, es gibt nur noch Sendungen aus der Konserve. Die nächste läuft am 25. Mai: „Strawanzen im Fünfseenland“.DIRK WALTER, S. THYSSEN

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