Eine Szene aus dem „Tatort: Herz der Dunkelheit“ mit Martin Brambach als Peter Michael Schnabel (re.). © Junghans/MDR
Weniger Krimis: Der MDR setzt wegen des Streits um die Erhöhung des Rundfunkbeitrags ein umfangreiches Sparpaket um. So sollen neben kleineren Formaten auch neue Produktionen für „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ drei Jahre lang pausieren. Für beide Reihen verfüge der Sender zwar bereits über fertiggestellte und vertraglich fixierte Produktionen für die kommenden Jahre, heißt es in einer Mitteilung. Neue Produktionen sollen jedoch zunächst drei Jahre lang ausgesetzt werden. Das „Tatort“-Team vom MDR besteht aus Martin Brambach und Cornelia Gröschel. Für den „Polizeiruf“ ermittelt Claudia Michelsen.
MDR-Intendant Ralf Ludwig informierte den Rundfunkrat über die Maßnahmen. „Wir haben uns die Entscheidungen nicht leicht gemacht und würden uns die Situation auch anders wünschen“, erklärt er in einer Mitteilung. Aber Fakt sei: „Wäre die aus unserer Sicht rechtmäßige moderate Anhebung des Rundfunkbeitrags seit 1. Januar 2025 so umgesetzt worden, wie von der KEF empfohlen und wie im Verfahren vorgesehen, müssten wir diesen nun einschneidenden Weg nicht gehen.“ Die Realität lasse dem Sender keine andere Wahl. „Wir können die fehlenden Einnahmen als MDR nicht mehr kompensieren.“
Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass sich der MDR auch von der Produktion des ARD-„Mittagsmagazins“ trennen will. Der Sender bestätigte nun erneut Gespräche innerhalb der ARD über eine Abgabe der Sendung ab 2027. Übernehmen soll voraussichtlich, wie bereits berichtet, der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Betroffen von der Maßnahme sind dem Vernehmen nach 200 Mitarbeitende.
Die Umstrukturierungen beim MDR erfolgen vor dem Hintergrund der Hängepartie um den künftigen Rundfunkbeitrag. ARD und ZDF hatten im November 2024 Verfassungsbeschwerde eingereicht, weil die Bundesländer die ursprünglich empfohlene Erhöhung von derzeit 18,36 Euro auf 18,94 Euro zum 1. Januar 2025 nicht beschlossen hatten. Im Februar hat die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) nun eine neue Empfehlung abgegeben: Ab 2027 soll der Beitrag demnach auf 18,64 Euro steigen – also 30 Cent weniger als ursprünglich vorgeschlagen.
Die sachsen-anhaltische CDU-Landtagsfraktion hat sich derweil dafür ausgesprochen, die Gehälter von Führungskräften im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) zu begrenzen. „Es ist dem Bürger schwer zu erklären, dass manche Intendantengehälter höher sind als eines von einem Ministerpräsidenten“, sagte der medienpolitische Sprecher Markus Kurze. „Gehälter für Stars und Moderatoren in utopischen Höhen darf es beim ÖRR nicht geben“, heißt es in dem CDU-Papier. Wie das umgesetzt werden soll, ließ Kurze offen.DPA/KNA