INTERVIEW

Glück gehabt, Gernstl?

von Redaktion

Der Münchner Filmemacher schreibt über das Unterwegssein fürs Fernsehen und das Leben an sich

Filmemacher, Regisseur, Genussmensch: Franz X. Gernstl schaut zufrieden auf sein Leben. © Megaherz

Vier Jahrzehnte lang ist Franz X. Gernstl (75) mit seinen Freunden H. P. Fischer (Kamera) und Stefan Ravasz (Ton) durch die Weltgeschichte gereist, auf der Suche nach spannenden Menschen. In seinem Buch „Glück gehabt!“, das heute erscheint und am Freitag im Münchner Literaturhaus vorgestellt wird, blickt der Filmemacher auf ein Leben voller Zufälle, Begegnungen und Geschichten zurück. Im Gespräch erzählt Gernstl von den holprigen Anfängen seiner Karriere, vom Glück der Freundschaft – und davon, warum eine Portion Spaghetti Puttanesca manchmal schon reicht, um zufrieden zu sein.

Wer ein Buch mit dem Titel „Glück gehabt!“ schreibt, muss damit rechnen, nach seinem letzten glücklichen Moment gefragt zu werden. Also bitte!

Da muss ich kurz überlegen: Ach ja, gestern Abend hatten wir nichts im Kühlschrank und dann hab’ ich festgestellt, dass man mit dem Zeug, das noch so herumlag, wunderbar Spaghetti Puttanesca kochen kann. Also ich brauche nicht viel, um glücklich zu sein. Wenn man gesund ist, keine Sorgen hat und dann auch noch in Schwabing und nicht im Gazastreifen wohnt – dann kann man schon sehr zufrieden sein.

Sie schreiben, dass Sie dem Glück eine Chance gegeben haben, wenn es an Ihre Tür geklopft hat. Dafür muss man das Klopfen aber erst mal hören, oder?

Ja, man sollte mit einem offenen, wohlwollenden Blick durchs Leben gehen und die Dinge wahrnehmen, die man schon hat. Was man erst lernen muss, ist, dass man seine Beziehungen nicht versaut – mit den Lebenspartnern oder Freunden. Dabei hilft es sehr, wenn man Neid, Eifersucht und Eitelkeiten im Griff hat.

Die Anfänge waren holprig: Ohne eine gute Portion Naivität und Idealismus wärt ihr nicht zu einer eigenen Produktionsfirma und mehr als 40 Jahren Zusammenarbeit mit dem BR gekommen…

Das stimmt, wir sind da ein bisserl blauäugig reingestolpert. Im Grunde hat das Ganze wie eine Lausbubengeschichte angefangen: Wir waren abenteuerlustig und vergnügungssüchtig. Auf unseren T-Shirts stand das politisch unkorrekte Motto: Weiber, Bier und Bratwürste. Am Ende sind „Gernstls Reisen“ über vier Jahrzehnte dann doch eine Sammlung aus Lebensweisheiten geworden.

Mit welchem Fazit?

Dass es wichtig ist, etwas zu finden, das man mit Leidenschaft und Liebe macht. Das kann ein Job als Parkwächter oder Hotelportier sein – entscheidend ist die Begeisterung für die Sache.

Ihr wart immer auf der Suche nach Menschen, die wahrhaftig sind, die Träume haben und sie bestenfalls sogar umsetzen. Welche Sehnsüchte treiben Sie um?

Da bin ich eher dem Buddhismus verfallen – mit dem Ziel, das Wollen einzuschränken. (Lacht.) Mein Vorhaben ist, das Leben zu vereinfachen und Ballast abzuwerfen.

Im Buch schreiben Sie, dass Ihre Frau Sie „ins Familienglück geschubst hat“. Was macht Sie heute glücklicher? Den beruflichen Weg gegangen oder Vater geworden zu sein?

Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich lieber auf meine berufliche Karriere als auf meine Söhne verzichten. Muss ich ja aber nicht. Ich durfte 40 Jahre mit zwei Freunden durch die Gegend fahren, und dann sind mir noch zwei Söhne zugefallen, die ich erst gar nicht haben wollte, und jetzt werde ich sie nicht mehr hergeben. Was für ein Glück!

INTERVIEW: ASTRID KISTNER.

Artikel 3 von 3