Schauspielerin Janina Hartwig erfüllt letzte Wünsche

von Redaktion

Engagiert: Janina Hartwig fährt seit zehn Jahren den Wünschewagen des Arbeiter Samariter Bundes. Auch ihren Kollegen Fritz Wepper fuhr sie in den Zirkus. © Hangen

Sie war 15 Jahre lang die resolute Ordensschwester in „Um Himmels Willen“: Janina Hartwig ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen. Was kaum einer weiß: Neben ihrer Arbeit engagiert sich die 64-Jährige für Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben. Mit einem Notfallwagen des Arbeiter-Samariter-Bundes erfüllt sie letzte Wünsche (siehe Kasten). Auch für ihren Freund und Kollegen Fritz Wepper war sie da, als er, bereits todkrank, noch einmal in den Zirkus wollte.

Warum engagieren Sie sich für den Wünschewagen? Ein Projekt, bei dem man ständig mit dem Tod konfrontiert ist.

Das kam zu einem ganz bestimmten Moment in meinem Leben. 2016 wurde mein Vater sterbend krank – das erste Mal, dass ich mich so unmittelbar mit Sterben und Tod auseinandersetzen musste. Genau in dieser Zeit trat der Arbeiter-Samariter-Bund an mich heran. Sie wollten das Wünschewagen-Projekt ins Leben rufen und suchten eine prominente Persönlichkeit, die es in die Öffentlichkeit trägt und Spenden generiert – denn das gesamte Projekt basiert ausschließlich auf Spendengeldern und ehrenamtlicher Arbeit. Als sie mir das Projekt vorstellten, traf es mich genau im richtigen Moment. Tod und Sterben spielen im Alltag normalerweise kaum eine Rolle, weil wir mit dem Leben beschäftigt sind. Aber irgendwann kommt es – und zwar mit Macht. So war es bei mir im Privaten. Und deshalb wollte ich mich engagieren, weil ich selbst lernen musste, mit diesem Thema umzugehen.

Wie gehen Sie persönlich damit um, wenn Sie jemanden begleiten, der kurz vor seinem Lebensende steht?

Wir, also die Ehrenamtlichen und ich, sind einfach präsent. Das Sinnvolle daran ist gerade, dass wir jemandem ermöglichen, bis zu seinem letzten Tag am Leben teilzuhaben. Das gibt mir sehr viel. Wenn wir vor Ort sind, wissen wir, was zu tun ist: Man ist für den Menschen da und versucht, den Moment so schön wie möglich zu gestalten. Und das Großartige ist: Wir erfüllen nicht nur dem sterbenden Menschen einen letzten Wunsch. Wir erleben auch, was es für die Angehörigen bedeutet. Alle – die Sterbenden und die Zurückbleibenden – können dadurch leichter loslassen. Es wurde ein letzter Wunsch erfüllt, und jetzt kann ich gehen lassen. Das ist der eigentliche Sinn.

Hat diese Arbeit Ihre Haltung zum Tod verändert?

Ja, auf jeden Fall. Es relativiert vieles. Viele Dinge, über die man sich sonst aufregt, verlieren ihre Bedeutung. Und es gibt mir immer wieder den Impuls, den Moment des Lebens wirklich zu genießen. Man kann auch ganz praktische Vorbereitungen treffen – Testament, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht. Das habe ich von meinem Vater gelernt. Als er 2017 starb, hatte er alles geregelt: Wo er begraben sein möchte, wer die Totenrede hält, wo alle wichtigen Unterlagen zu finden sind. Das hat uns als Familie enorm geholfen.

Was wäre Ihr letzter Wunsch?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine konkreten Gedanken gemacht. Letztendlich entscheiden die Umstände: Was kann man noch? Aber ich glaube, ich würde immer in die Natur wollen. In die Berge. Das gibt mir am meisten Kraft.

Eine Fahrt hat Sie besonders bewegt…

Das war die Fahrt mit Fritz Wepper. Ich hatte ihn im Hospiz mehrfach besucht, wir haben zusammen gegessen – er liebte Eis. Irgendwann fragte ich ihn, ob er sich einen letzten Wunsch vorstellen könne. Er überlegte und sagte schließlich: Er möchte noch einmal in den Zirkus Krone. Dort ist er oft bei Stars in der Manege aufgetreten. Und so haben wir ihn hingefahren. Er durfte die zweite Hälfte der Vorstellung erleben – im Rollstuhl. Auf der Rückfahrt lag er auf der Trage. Und dann fragte er, ob wir kurz anhalten könnten. Wir fuhren ums Eck, holten ihn raus – und wir haben noch gemeinsam eine Zigarette geraucht. Fünf Tage später ist er gestorben.

Sie haben Fritz Wepper selbst gefahren?

Ja, ich habe darauf bestanden und gesagt: ,Ich fahre den Wagen!‘ Das war meine letzte Tat für Fritz. Ich hatte fünfzehn Jahre mit ihm zusammengearbeitet, er hat mich damals so unglaublich aufgenommen – auf Augenhöhe, als Kollegin und Partnerin. Das war meine Art, mich zu bedanken.

MARIA ZSOLNAY

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