An der Isar daheim: Samuel Sohebi besucht in München gerne das Café Roma. © A. Schmidt
Eine Begegnung mit Paris Hilton (45) veränderte Samuel Sohebis (35) Leben. „Ich hatte in den Magazinen immer gelesen: Wer was von sich hält, fährt nach Saint-Tropez zum Nikki Beach Club“, erzählt der Münchner mit afghanischen Wurzeln. Deshalb packte er am Tag seiner Führerscheinprüfung seinen Kumpel ein, lieh das Auto seiner Mutter aus und fuhr an die Côte d’Azur. Durch Zufall landeten die Freunde bei einer Party von Rapper P. Diddy (56) mit Paris Hilton und einer damals völlig unbekannten Kim Kardashian (45). Der Dresscode war Weiß, nur Paris Hilton hatte einen bunten Fummel an. „Da hörte ich, wie sie sagte: Wir brauchen einen Stylisten, wir können hier so nicht bleiben. Und da hatte ich diesen Geistesblitz: Ich bin zu ihr hin, habe alles ausgeblendet und gesagt: Paris, ich bin ein Stylist. Damals war ich 18“, erinnert sich Sohebi. Die Hotel-Erbin war freundlich, gab dem jungen Münchner ihre Kreditkarte und freute sich über das weiße Dress, das Sohebi in kürzester Zeit bei Dior in Saint-Tropez für sie besorgte. Sie knipsten ein Erinnerungsfoto, tauschten Nummern aus und Samuel Sohebi wurde zum Stylisten der Mega-Stars. Dabei war das nie sein Plan. Als er vier Jahre alt war, trennten sich Sohebis Eltern. Der Vater zog nach New York, die Mutter ging mit ihrem Sohn nach Toronto. „Dort bin ich zur Schule gegangen und habe Englisch und Französisch gelernt“, erzählt Sohebi. Einige Jahre später kamen er und seine Mutter zurück nach München. Hier machte der Fashion-Experte sein Abitur, danach ein Praktikum bei der Modelagentur Louisa Models. „Ich hatte auch kurz versucht, Modedesign an der AMD zu studieren, aber schnell gemerkt: Mode entwerfen ist nicht meins, weil ich nicht zeichnen kann.“
Bei seinem Praktikum merkte Sohebi: „Es gibt Stylisten, die müssen keine Mode entwerfen – die arbeiten mit Mode. Das hat mich sofort geflasht.“ Er holte sich Inspirationen in Modemagazinen, interessierte sich für Stoffe, Formen und Farben. Nach seiner Begegnung mit Paris Hilton in Saint-Tropez postete Sohebis Freundin Gloria Epstein (38), die Schwester von Designer Philipp Plein (48), ein Foto auf Facebook. Ihr Bruder, der gerade ein Fotoshooting mit Topmodel Naomi Campbell(56) auf Ibiza plante, engagierte ihn kurzerhand als Stylisten. „Naomi war in ihrem Zimmer eingeschlossen, wollte über die Hälfte der Klamotten nicht anziehen – manches passte nicht, manches wollte sie aus religiösen Gründen nicht tragen, ein Leopardenmuster erinnerte sie an Gianni Versace. Philipp war am Ausrasten. Ich war der Einzige, der Zutritt zu ihr bekam. Ich habe mich einfach hingesetzt, mit ihr geredet, ihr zugehört. Und da habe ich verstanden: Ein Stylist ist nicht nur für die Klamotten zuständig.“ Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2010 erkannte Sohebi schließlich seine Berufung. „Ich war damals mit Liliana Matthäus (38) dort, deren Stylist ich war. Als ich Cannes das erste Mal gesehen habe, war mir klar: Das ist das, was ich wirklich will. Nicht der Stylist sein, der Kataloge macht, sondern einer für den großen roten Teppich. Seither war ich jedes Jahr in Cannes und habe mir dort etwas aufgebaut, was ich so nicht geplant hatte. Am Anfang war ich Lilianas Begleiter. Letztes Jahr hat sie mich gebucht. So wechseln die Rollen.“
Mittlerweile organisiert Sohebi, den jeder engagieren kann, komplette Cannes-Events für seine Kundinnen: Anreise, Hotel, das offizielle Festival-Auto, den Zugang zum roten Teppich – ohne Sicherheitscheck, Spitzenplatz bei den Fotografen. 2022 hatte er elf Tage lang 64 Damen dabei, die er gleichzeitig umsorgte. Darunter Filmstar Veronica Ferres (60) und ihre Tochter Lilly (25). „Da brauchst du Geduld, Kühle und wirklich viel Liebe für deinen Job“, sagt der Stylist und lacht.
In seiner bisherigen Karriere besonders beeindruckt haben ihn Hollywoodstar Salma Hayek (59) und Sängerin Mariah Carey (57). „Ich habe sie für die AmfAR-Gala in Cannes ausgestattet und zwei Jahre später hat ihre PR-Abteilung mich an Diana Ross (82) weiterempfohlen – sie wollte wissen, ob es jemanden in Europa gibt, auf den man sich verlassen kann. Das war der Moment, wo ich dachte: Okay, das ist ein Job, den ich jetzt Mariah Carey zu verdanken habe.“ TERESA WINTER