Klaas Heufer-Umlauf (li.) und Joko Winterscheidt möchten aufrütteln. © Marius Becker/dpa
Mit ihrer gewonnenen Sendezeit haben Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf erneut ein gesellschaftspolitisches Zeichen gesetzt. Statt der üblichen 15 Minuten, die sie sich in „Joko & Klaas gegen ProSieben“ erspielt hatten, überließen die Entertainer ihre Plattform am Donnerstag einer mehr als dreistündigen Dokumentation über den Krieg in der Ukraine. Unter dem Titel „Joko & Klaas Live – #DONTLOOKAWAY“ zeigten ukrainische Soldaten, Helfer und Zivilisten ihren Alltag im inzwischen mehr als 1560 Tage andauernden russischen Angriffskrieg – ungefiltert, beklemmend und aus der Perspektive der Betroffenen. Für die werbefreie Dokumentation wurden mehrere Protagonisten mit Bodycams ausgestattet.
Die Dokumentation zeigte eindringliche Szenen aus Krankenhäusern, zerstörten Wohngebieten und Evakuierungseinsätzen. Chirurg Andriy berichtete von Schwerverletzten und Toten, während Bewohnerinnen und Bewohner zerstörter Häuser ihre Verluste schilderten. Besonders eindrücklich wirkte die Diskrepanz zwischen scheinbar friedlichen Straßenzügen und der Realität aus Hausruinen, Drohnenangriffen und schwer traumatisierten Menschen. „Warum trifft uns dieses Leid?“, fragt eine Polizistin verzweifelt in die Kamera. Die spontane Programmänderung stieß insbesondere bei den jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauern auf Interesse. Im Schnitt verfolgten 310.000 Menschen zwischen 14 und 49 Jahren die Ausstrahlung. Das entsprach einem Marktanteil von 9,7 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe. Insgesamt erreichte die Dokumentation durchschnittlich 460.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Damit blieb ProSieben zwar hinter den stärkeren Primetime-Angeboten der Konkurrenz zurück, bemerkenswert ist dennoch die Netto-Reichweite: Laut Sender kamen 2,88 Millionen Menschen zumindest zeitweise mit der Sendung in Kontakt.AKI