Ihr Zuhause in der Nähe von Rehna, eine Stunde von Hamburg entfernt, hat sich Maria von Welser gemütlich eingerichtet. Hier kann sie sich erholen und entspannen.
Sie führte schon in den 80er-Jahren ein selbstbestimmtes Leben als geschiedene Frau und alleinerziehende Mutter und machte Karriere als Journalistin trotz zweier kleiner Kinder: Maria von Welser wusste, wovon sie sprach, wenn sie über Emanzipation redete. Deutschlandweit bekannt wurde sie durch „ML Mona Lisa“, das erste Frauenmagazin im deutschen Fernsehen, das sie mitgründete und jahrelang moderierte. Am heutigen Freitag wird von Welser 80 Jahre alt.
Geboren wurde sie am 26. Juni 1946 als Maria Schüssel in München. Der Vater war Kaufmann und Kaiserlicher Japanischer Konsul, die Mutter Moderedakteurin. Sie wuchs am Tegernsee auf, studierte nach dem Abitur an der Journalistenschule in München und fing 1969 ein Volontariat, also eine journalistische Ausbildung, beim „Münchner Merkur“ an.
Von Welser blieb dabei, auch als sie sich von ihrem ersten Mann trennte und sich allein um das gemeinsame Kind kümmern musste. Ein Großteil des knappen Ausbildungsgehalts ging damals an die Kinderfrau, die sich um den Sohn kümmerte, als von Welser sich von der Volontärin zur Redakteurin hocharbeitete, wie sie 2023 einmal sagte. Sonntags habe sie ihr Kind regelmäßig mit ins Büro genommen.
„Ich konnte ungestört die Zeitung für Montag machen und mein Kind mit in die Redaktion nehmen“, sagte sie einmal. „Da habe ich dann auf dem Schreibtisch gewickelt, ihn gefüttert – ich fand das wunderbar.“ Es folgten ein weiterer Sohn mit einem zweiten Ehemann, eine weitere Trennung und der berufliche Aufstieg beim Bayerischen Rundfunk. Doch dort sei sie irgendwann nicht mehr weitergekommen. „Erstens war ich eine Frau, zweitens geschieden“, lautete ihre Analyse. Als das Angebot des ZDF kam, ein eigenes Frauenmagazin aus der Taufe zu heben, habe sie daher zugegriffen. So ging am 19. April 1988 erstmals „ML Mona Lisa“ auf Sendung. Von Anfang an war von Welser Redaktionsleiterin und Moderatorin, ab 1989 gemeinsam mit der späteren „heute“-Moderatorin Petra Gerster. Anfangs noch als reine Frauensendung mit Küchen-, Mode- und Erziehungstipps belächelt, wurde „ML Mona Lisa“ von Ausgabe zu Ausgabe politischer – und feministischer. Gezeigt wurden Berichte über das Leben von Frauen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch Themen wie Abtreibungen, Armut oder systematische Vergewaltigungen im Bosnienkrieg. „Das war eine sehr kämpferische Sendung“, sagte Gerster einmal.
Nach elf Jahren gab von Welser die Moderation ab und wurde Redaktionsleiterin beim ZDF-Magazin „Mit mir nicht! Welsers Fälle“, einige Jahre später ging sie für den Sender als Korrespondentin nach London. 2003 wurde sie Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg des Norddeutschen Rundfunks, was sie bis zu ihrem Ruhestand 2010 blieb. Wenige Jahre später wurden bei von Welser, mittlerweile in dritter Ehe verheiratet, mehrere gutartige Gehirntumore entdeckt.
Seitdem musste sie sich immer wieder Operationen und Bestrahlungen unterziehen, litt unter Schmerzen. Doch sie blieb kämpferisch, schrieb unter anderem ein Buch über ihr Leben mit der Krankheit und einen fiktiven Roman über ihren beruflichen Werdegang. Vor zwei Jahren wurde erneut ein Meningeom in ihrem Kopf entdeckt, das operativ entfernt werden musste. „Wenn du dich entscheidest, leben zu wollen, musst du dich operieren lassen“, sagte die damals 78-Jährige. Sie habe eine Liste mit Dingen, die sie noch tun wolle im Leben. Dazu zählten Lesen, Schreiben, Spanischlernen – und eine Reise in den US-Bundesstaat Alaska.WIK/CFM