Der Unberechenbare

von Redaktion

Filmemacher Mel Brooks feiert seinen 100. Geburtstag und plant „Spaceballs“-Fortsetzung

„Ernste Filme muss man denen überlassen, die keine lustigen drehen können“, sagt Brooks, der das Komödienfach revolutioniert hat. © REUTERS

Natürlich kann er ernst. Zumindest mehr oder weniger. Als Produzent hat Mel Brooks etwa David Lynchs „Elefantenmensch“ (1980) und der „Fliege“ (1986) von David Cronenberg zur Leinwandreife verholfen. Beide Werke sind nicht zwingend für ausgelassene Fröhlichkeit berühmt. „Ernste Filme“, sagt Brooks, „muss man denen überlassen, die keine lustigen drehen können.“ Danke, keine weiteren Fragen.

Lustig kann er, der kreative Tausendsassa: Der Regisseur, Autor, Produzent und Schauspieler Mel Brooks, der am 28. Juni unglaubliche 100 Jahre jung wird. Und der derzeit an der Fortsetzung seiner „Star Wars“-Parodie „Spaceballs“ (1987) arbeitet, die 2027 ins Kino kommen soll. Josh Greenbaum führt Regie; Brooks produziert und spielt seine Rollen aus dem ersten Film: Joghurt und Präsident Skroob (ein Anagramm seines Künstlernamens). Allerdings – so viel Skepsis darf bei aller Vorfreude sein – geistert das Projekt schon einige Jahre durch den Hollywood-Kosmos.

Aber was sind einige Jahre beim Blick auf dieses Leben? Als Melvin Kaminsky wurde Brooks am 28. Juni 1926 in Brooklyn geboren. Seine Eltern waren Emigranten – der Vater kam als deutscher Jude aus Danzig, seine Mutter war eine russische Jüdin. Mel, der jüngste von vier Söhnen, kämpfte nach der Schule in der US-Army gegen Hitler-Deutschland. Zurück in den USA spielte er Schlagzeug in Nachtklubs und war Einspringer, wenn ein Stand-up-Comedian fehlte. Schließlich wurde er von TV-Komiker Sid Caesar entdeckt, für den er zehn Jahre lang Pointen schrieb.

Larry Gelbart ist ein Freund von Brooks und erklärte dessen Talent so: „Mel dachte wohl, der Klaps des Arztes auf den Hintern bei seiner Geburt sei Applaus gewesen. Seitdem hat er nicht aufgehört zu performen.“ Tatsächlich revolutionierte Brooks die Filmparodie, indem er klassische Genres mit Slapstick, jüdischem Witz und Anarchie unterlief. Das begann beim Fernsehen, wo er 1965 die Serie „Mini-Max“ entwickelte: Wer in Maxwell Smart den tollpatschigen 007-Gegenentwurf erkennen will, liegt richtig.

Dieser Erfolg ebnete Brooks den Weg zum Kino. Zugegeben, es gibt einfachere Stoffe für die erste Visitenkarte als Regisseur: „The Producers“ (bei uns etwas direkter: „Frühling für Hitler“) erzählt von einem jüdischen Broadway-Produzenten, der seine letzte Hoffnung in einer Revue über Adolf Hitler sieht. Die soll – so der Plan – floppen, wird aber ein enormer Erfolg. Das ist ziemlich meschugge, recht derb – und bescherte Brooks 1969 den Drehbuch-Oscar. „Über Hitler darf man sich lustig machen, weil man ihn so am besten auf Normalmaß zurechtstutzen kann“, sagte er einmal.

Den Mächtigen mit der subversiven Kraft des Witzes zu begegnen – dieser Ansatz zieht sich durch sein Schaffen. Davon berichtet auch die Dokumentation „The 99 Year Old Man!“, die vor wenigen Monaten beim Streamingdienst HBO startete. Wer genau hinschaut, erkennt in den Parodien den gesellschaftskritischen Subtext. Natürlich dreht sich etwa in „Der wilde wilde Westen“ vieles um Bohnen, die von Cowboys verdaut werden. Den Originaltitel „Blazing Saddles“ (etwa: Sättel in Flammen) sollte man also ernstnehmen. Brooks erzählt jedoch auch von Rassismus.

Dem Unberechenbaren bleibt zu wünschen, dass er genau das bleibt: unberechenbar. Uns, seinem Publikum, wünschen wir die Fortsetzung von „Spaceballs“ im kommenden Jahr. Wie sagt Brooks als Joghurt im ersten Film? „Ich bin der Bewahrer einer großen Zauberkraft.“ Eben. Oder war es doch „Zaubersaft“?MICHAEL SCHLEICHER

Artikel 4 von 4