Stärker als jeder Shitstorm

von Redaktion

Neue Taylor-Swift-Doku erzählt die Geschichte hinter dem Milliardenphänomen

Vom Countrystar zur Pop-Queen. © ARD

Taylor Swift im Juli 2024 in München – ihre legendäre „Eras“-Tour sprengte alle Rekorde. © Florian Vit/HangenFotos

„Schicksalsjahre eines Superstars“ – der Titel der neuen Taylor-Swift-Dokuserie im Ersten klingt dramatisch, märchenhaft, ein bisschen nach Sisi und schneeweißer Kutsche. Mit letzterer fuhr die Pop-Prinzessin tatsächlich 2009 bei den MTV Video Music Awards in New York vor. Nicht ahnend, dass sie kurz darauf ihre erste Trophäe und die größte Demütigung ihrer Karriere entgegennehmen würde. Rüpelrapper Kanye West entriss ihr damals auf der Bühne das Mikro und verkündete dem prominenten Publikum, dass Beyoncé die Auszeichnung eigentlich verdient hätte. Swift, gerade 20 und sichtbar peinlich berührt, lernte in diesem Moment vor allem eines: Wer Stürme aus Missgunst, Neid und Hass in der medialen Welt überstehen will, sollte unbedingt wetterfest sein.

Wie keine andere hat es die heute 36-jährige Künstlerin geschafft, aus Krisen als Gewinnerin hervorzugehen. Sie parierte den Kanye-West-Konflikt nicht nur geschickt mit Humor, sondern holte sich auch die Masterrechte an ihren Songs zurück. Wer verstehen will, warum eine einzige Musikerin Stadien, Wahlkämpfe und soziale Netzwerke gleichermaßen beschäftigt, kommt an der dreiteiligen Dokureihe „The Taylor Swift Years – Schicksalsjahre eines Superstars“ nicht vorbei. Sie ist ab heute in der Mediathek verfügbar und um 23.50 Uhr im Ersten zu sehen.

Die Regisseurinnen Inga Turczyn und Anna Bilger weiten den Blick auf Swift. Sie erzählen nicht nur den märchenhaften Aufstieg vom blond gelockten Country-Mädchen aus Pennsylvania zur erfolgreichsten Sängerin der Gegenwart, sondern auch die Mechanismen eines gnadenlosen Medienzeitalters. Taylor Swift wird dabei zum Prisma, durch das sich die vergangenen zwei Jahrzehnte amerikanischer Popkultur wunderbar betrachten lassen. Zu Wort kommen Biograf Rob Sheffield, Pop-Journalistin Janina Roock, Autorin Anne Sauer und Entertainer Ricardo Simonetti. Was die Filmemacherinnen an Swift fasziniert? „In ihrer Geschichte ist ein feministischer Aspekt“, sagt Bilger. „Diese Erfahrung als Frau, ganz nach oben zu wollen in einer Branche, in der Männer fast ausschließlich die Regeln machen. Und sich dabei dauernd behaupten zu müssen.“

Swift verarbeitet all das in ihren Songs – mutiert vom Good Girl zu Power-Taylor. Zur Ikone, die für queere Rechte einsteht und die Anfeindungen ihrer Kritiker mit Ironie garniert. Getragen von ihrer mächtigen Fanbase beginnt sie, Haltung zu zeigen. Anschlagsdrohungen während ihrer „Eras“-Tour zeigen: „Hyperpatriarchale Vertreter haben ein großes Problem mit ihr“, so Kulturwissenschaftler Jörn Glasenapp im Film. Auch Donald Trump, der mit dem starken, femininen, diversen und inklusiven Universum, das sich Swift geschaffen hat, öffentlich fremdelt.

Dabei zieht sich eine zentrale Frage durch die Doku: Wie nahbar ist Taylor Swift tatsächlich? Sie filmt ihre Katzen, ihren Sauerteig, ihre Familie und sich selbst. Und gleichzeitig ist sie eine globale Unternehmerin und Multimilliardärin. Was ist authentisch, was die perfekte Inszenierung? Ihre Liebe zu NFL-Star Travis Kelce ist echt und soll mit einer Hochzeit gekrönt werden. Er scheint der perfekte Partner für sie zu sein: selbstbewusst, sportlich und finanziell unabhängig. Zwei Menschen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Passende romantische Bilder gibt’s im Netz, mit Taylor im Rosengarten und einem knienden Travis vor ihr. Märchenhaft – nicht nur für Fans der Pop-Königin, die längst keine Prinzessin mehr ist.ASTRID KISTNER

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