Ein gutes Glas Wein und ein feines Essen: Noch heute kocht Eckart Witzigmann oft selbst und liebt es, in der Küche zu stehen. © Heinz Weissfuss
Ein Teller Spaghetti macht ihn glücklich! Auch wenn sich Eckart Witzigmann bereits vor mehreren Jahren aus dem aktiven Restaurantbetrieb zurückgezogen hat, kocht er privat immer noch gerne. „Rahmspinat mit Spiegelei kann mich ebenfalls beglücken“, sagte er einmal. Am Samstag wird der Österreicher 85 Jahre alt.
Als er in den 70er-Jahren als einer der ersten die Nouvelle Cuisine aus Frankreich nach Deutschland brachte, schlug dem Koch viel Missmut entgegen. Große Teller, kleine Portionen, hohe Preise – das Münchner Restaurant Tantris war anfangs kaum besucht. Bis zum ersten Stern des „Guide Michelin“. Danach nahm Witzigmanns Karriere Fahrt auf.
Geboren wurde er am 4. Juli 1941 in Hohenems. Der Vater war erfolgreicher Schneidermeister und schickte den Sohn mit 14 in die Handelsschule, um ihn zu seinem Nachfolger zu machen. Doch Witzigmann hatte andere Pläne. 1957 begann er eine Lehre zum Koch im Hotel Straubinger in Bad Gastein. Mit 24 Jahren wurde er als erster Ausländer überhaupt im berühmten Restaurant der Gebrüder Haeberlin im Elsass eingestellt. Im Auberge de l’Ill lernte der junge Österreicher die Nouvelle Cuisine kennen. Danach kochte er in bekannten Restaurants in Stockholm, London oder Washington, bis Witzigmann einen Anruf aus München erhielt.
Der Bauunternehmer Fritz Eichbauer berichtete ihm von seinem Plan, ein Gourmetrestaurant in der bayerischen Landeshauptstadt zu etablieren, für das er einen Chefkoch brauchte. Witzigmann sagte zu, zog nach München. Doch der Anfang war hart. „Diese Art von Küche war damals verschrien. Es hat mich wahnsinnig viel Mühe gekostet, durchzuhalten.“ Nach den ersten wohlwollenden Zeitungsberichten folgten 1973 der erste und 1974 der zweite Stern für das Tantris – die seinerzeit höchste vergebene Auszeichnung in Deutschland. Das Tantris brummte, doch 1979 zog Witzigmann weiter und machte sich mit einem Restaurant in München selbstständig. Schon im Jahr der Eröffnung des Aubergine erkochte er drei „Michelin“-Sterne – als erster Koch in Deutschland. Die kommenden Jahre waren geprägt von viel Ruhm, viel Arbeit und der ein oder anderen ausschweifenden Feier.
Die Familie – mit seiner Frau Monika hatte Witzigmann 1970 eine Tochter und 1974 einen Sohn bekommen – kam dabei zu kurz, wie er später oftmals sagte. 1988 folgte die Scheidung. Einen weiteren Tiefpunkt für Witzigmann gab es 1993, als er mit Kokain erwischt und zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde. Unmittelbar nach der Verurteilung entzog ihm die Stadt München die Konzession für das Aubergine, Witzigmanns einstiger Schüler Alfons Schuhbeck sprang ein. Doch nach zwei Jahren musste das Nobelrestaurant für immer schließen. Ausgerechnet in dieser turbulenten Lebensphase erhielt Witzigmann 1994 die höchste Auszeichnung, die sich ein Koch erträumen kann: Der Gourmetführer „Gault-Millau“ kürte ihn zum „Koch des Jahrhunderts“. Bis heute wurde diese Ehre nur vier Köchen weltweit zuteil – und keinem weiteren Koch in Deutschland!KATHARINA WIECHERS/AFP/WIN