Freut sich auf „Tagesthemen“: Jörg Schönenborn. © Georg Wendt
Nach mehr als 40 Jahren beim WDR schlägt Jörg Schönenborn ein neues Kapitel seiner Karriere auf: Der 61-jährige Fernsehjournalist hat seinen Posten als Programmdirektor des WDR an den Nagel gehängt, um ab Montag die „Tagesthemen“ zu moderieren. Damit verstärkt er künftig das bestehende Moderationsteam um Jessy Wellmer und Ingo Zamperoni. Auch Julia-Niharika Sen und Susanne Stichler gehören weiterhin zur „Tagesthemen“-Mannschaft.
Mit dem Wechsel will die ARD ihre politische Berichterstattung im Ersten und im digitalen Angebot weiter stärken. Zuvor war Schönenborn bei der Neubesetzung des WDR-Intendantenpostens nicht zum Zug gekommen. Damals fiel die Wahl des Rundfunkrats auf Katrin Vernau. Diese betonte, dass Schönenborns Weggang als Programmdirektor eine „Lücke in der Geschäftsleitung des WDR hinterlassen“ werde.
Schönenborn freut sich und hat klare Vorstellungen für die Zukunft: „Ich möchte für Journalismus stehen, der richtig ist, der vollständig ist, der Neugier zeigt, der Perspektiven einnimmt, die wir noch nicht kennen.“ Besonders wichtig sei ihm eine ausgewogene Themenauswahl. Neben der internationalen Berichterstattung, für die sich das deutsche Publikum aus seiner Sicht besonders interessiere, sollen auch Geschichten aus dem direkten Lebensumfeld der Zuschauer ihren Platz haben. „Ja, es gibt Nachrichten, die verzweifeln lassen. Aber die Welt ist auch voller Geschichten, die Mut machen.“
Mit Blick auf die angespannte Weltlage warnt Schönenborn davor, sich von Nachrichten abzuwenden. „Denn der Kern von Demokratie ist, dass wir gut informiert Wahlentscheidungen treffen können. Dazu sind verlässliche Nachrichten ein wichtiger Rohstoff.“ Das Vertrauen in die Medien bezeichnet er als „ein ungeheures Kapital“, zugleich müsse man sich um kritische Zuschauer „mit gutem Handwerk bemühen“.
Seiner neuen Rolle blickt Schönenborn aber auch mit Respekt entgegen. „Furcht ist keine Haltung, zu der ich neige, aber ich habe Respekt. Denn ich weiß, dass es auch eine Herausforderung ist, meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.“ Nur eines ist noch offen: die Verabschiedung am Ende der Sendung. Statt einer markanten Schlussformel tendiert er zu einer schlichten Lösung: „Wenn das Schlusswort so viel Gewicht bekommt, bleibe ich vielleicht doch einfach bei einem freundlichen ‚Tschüss!‘.“JOACHIM HUBER