Was ein gelungenes Konzert zum großen Abend macht, kann man bei Rainhard Fendrich wunderbar studieren. Nach 115 Minuten ist die ausverkaufte Tollwood-Arena bei bester Laune. Fendrich hat in der Zugabe mit seiner exzellenten Band Hits wie „Es lebe der Sport“, „Oben ohne“ und natürlich „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ abgefeuert. Er könnte das Publikum also selig in die nasskalte Julinacht entlassen. Stattdessen tritt er noch einmal auf die Bühne, so wie er einmal angefangen hat vor 45 Jahren: alleine mit der Gitarre. Für einen Moment wird es ganz still in der Arena. Und er spielt das Lied „Nie mehr Krieg“ von seinem aktuellen Album, das so ernst ist, wie der Titel es vermuten lässt. Die eben noch euphorisierten Fans hören versonnen zu – mit einem solchen Finale hat keiner gerechnet.
An diesen Abend wird man sich erinnern. Nicht nur, weil der 71-jährige Fendrich noch bemerkenswert agil und gut bei Stimme ist, sondern weil er es geschafft hat, alle nicht nur zum Feiern, sondern auch zum Nachdenken zu bringen. Fendrich will unterhalten. Und er hat sowohl das Repertoire als auch die Entertainer-Qualitäten dafür. Er will allerdings auch ernst genommen werden und kein Retro-Star in seiner eigenen Cover-Show sein. Deswegen streut er viele neue Lieder ein, die auch hörbar gut angenommen werden. Dass sie sich so selbstverständlich zwischen die bekannten Klassiker einfügen, spricht für die Qualität des aktuellen Materials ebenso wie für das Vertrauen seines Publikums.
Überhaupt gelingt es Rainhard Fendrich, die Menschen nicht nur mit Klassikern wie „Strada del Sole“ mitzureißen, sondern auch mit eher obskuren Stücken wie „Vü schöner is des G’fühl“, das nie im Radio gespielt wurde, das die Fans aber dennoch kennen und textsicher mitsingen. Ein kleiner Triumph für Fendrich, der auch wunderbaren Schmäh auf der Bühne verbreitet, beispielsweise, dass das Tollwood überhaupt das schönste Festival im deutschsprachigen Raum sei. Und wäre er nicht Wiener, dann wäre er am liebsten Münchner geworden.
Zwischendrin wird es immer wieder seriös, wenn Fendrich die wahre Hymne Österreichs ankündigt. Lange hat er „I am from Austria“ live nicht gespielt, weil die Sache entglitten ist und von Neonazis und Hooligans in Stadien gegrölt wurde. Nun spielt er sie doch wieder, genau wegen dieser Gestalten, wie er sagt. Die Liebe zur Heimat habe nichts mit Hass auf andere zu tun.ZORAN GOJIC