Dream-Team: Hannes Burger (re.) schrieb Walter Sedlmayr Pointen auf den Leib. © H. Gebhardt/Imago
Die größten Frechheiten, die Hannes Burger über die bayerischen Politiker einfielen, sprach er nicht selbst aus – er legte sie Walter Sedlmayr in den Mund. Und der Salvator-Redner auf dem Nockherberg rieb sie den geladenen Großkopferten hin. Legendär war bereits der erste Streich des Dream-Teams 1982: Da titulierte der Volksschauspieler den bayerischen SPD-Chef Helmut Rothemund wegen dessen mangelnder Popularität beharrlich mit „Herr Dings“. Herr Dings quittierte die Bosheit deutlich vernehmbar mit „Sie Arschloch!“ – und setzte noch hinzu: „Lecken Sie mich doch am Arsch!“ Was bewies: Schlimmer, als auf dem Nockherberg derbleckt zu werden, ist, nicht derbleckt zu werden. Aber am schlimmsten ist, die beleidigte Leberwurst zu spielen.
22 Reden hat Hannes Burger von 1982 bis 2003 als Autor für die Salvatorprobe geschrieben. Sein Nachfolger Michael Lerchenberg nannte ihn den „ersten Schriftgelehrten in Sachen Nockherberg“. Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren gestorben – im Bayerischen Wald, wo er die letzten Jahrzehnte seines Lebens verbracht hatte.
Als der in Schwabing geborene Redakteur und Wien-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ den Job als Redenschreiber anfing, beerbte er illustre Vorgänger – vom Volkssänger Roider Jackl bis zur Hörfunklegende Emil „Eins, zwei, drei“ Vierlinger. In Sedlmayr hatte er einen brillanten Schauspieler, der die Pointen süffig servierte – auch wenn sie in der Regel nicht so böse waren wie der „Herr Dings“ (geschweige denn manch heutige Satire). Burger pflegte die CSU eher mit Samt- als mit Boxhandschuhen anzufassen, und seine engen Kontakte zur Politik machten es ihm irgendwann schwer. „Da hat sich eine Art Beißhemmung breitgemacht“, gab er im Gespräch mit unserer Zeitung zu. Als er den Job an den Nagel hängte, hatte er für vier Nockherberg-Redner geschrieben – nach Sedlmayrs Tod 1991 auch für Max Grießer, Erich Hallhuber und Gerd Fischer –, und er hatte die Figur des Bruder Barnabas reaktiviert.
Auch später blieb Burger, Autor von 20 Büchern und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande sowie des Bayerischen Verdienstordens, als Journalist und Kolumnist für verschiedene Medienhäuser ein Beobachter und scharfzüngiger Kommentator von Politik und Gesellschaft. Burger hinterlässt drei Kinder aus erster Ehe. Mit seiner zweiten Frau lebte er zuletzt in Hinterschmiding im Landkreis Freyung-Grafenau in Niederbayern.JOHANNES LÖHR