Mit viel Herzblut

von Redaktion

Das Theater Grenzenlos feiert mit dem poetischen Stück „Wut“ Premiere im Volkstheater

Die Macher: Viktor Schenkel und Clara Hanae Tolle.

Beeindruckende Körperbeherrschung: das Ensemble im Volkstheater. © Theater Grenzenlos (2)

Dunkle Schatten bewegen sich hinter den bläulich angestrahlten Gazevorhängen am Rand der Bühne. Zu Klaviermusik löst sich eine Gestalt aus dem Dunkel, tanzt entschlossen mitten hinein in den Raum. Man spürt schnell in diesem stark von Pantomime und Tanz dominierten Stück des „Theater Grenzenlos“, dass es hier um „Mut“ geht, um „Neuanfänge“, wie der Titel des poetisch-melancholischen Abends im Münchner Volkstheater vermittelt. Von Wind und Wurzeln handelt der Auftritt. Ohne das eine kann man nicht wachsen. Aber ohne das andere gibt es keine Entwicklung. „Wege entstehen, indem man sie geht“, heißt es einmal aus dem Off. Vierzehn junge Menschen aus Afghanistan, Somalia, Uganda und der Ukraine stehen gemeinsam auf der Bühne und zeigen nahezu ohne Worte, aber mit sehr viel Herzblut, wie es sich anfühlt, dieses diffuse Warten und Hoffen auf etwas Unbekanntes. Auf eine Zukunft, auf eine Chance für ein besseres Leben. Dazu hört man auf einer Tonspur das Meer rauschen. Mit Netzen, die leer bleiben, und Stöcken, die vom Hilfsmittel für den Fischfang auch rasch zur Waffe werden können, illustrieren die Ensemblemitglieder des „Theater Grenzenlos“ sehr einprägsam ihre Geschichte.

Seit nunmehr elf Jahren gibt es diese fantastische Initiative in der Stadt. Viktor Schenkel, der an diesem Abend gemeinsam mit seiner Kollegin Clara Hanae Tolle auch für Regie und Choreografie verantwortlich ist, hatte das Integrationsprojekt 2015 gegründet. Viele Jugendliche zwischen etwa 15 und 25 Jahren haben durch ihre Mitarbeit einen schnelleren, einfacheren Zugang in unsere Gesellschaft erhalten. Und gleichzeitig eine künstlerische Ausbildung. Denn was Bilal Ahmad Samir, Elizabeth Birungi Nalubuga, Joshua Ayodele, Nosa Aimuamwosa, Alina Ivanova, Tendo Mutungi, Selin Kömür, Melat Hoanensy, Laurian Ssuna, Solomon Ssentamu, Mary Nalya, Dorah Nalubyayi, Regina Yachyna, Benjamin Sebuliba, Oluwasegun Majekodunmi gemeinsam auf die Beine gestellt haben, kann sich wirklich sehen lassen. Von unbeholfenem Schülertheater oder vergleichbaren Laienspielgruppen ist hier nichts zu erkennen. Stattdessen sieht man elegant choreografierte und akrobatisch wirkende Tanzeinlagen, beeindruckende Körperbeherrschung und ausdrucksstarke Mimik.ULRIKE FRICK

Informationen

zu Tickets und den nächsten Terminen unter www.theater-grenzenlos.org.

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