Krimi mit Wollfühlfaktor

von Redaktion

„Widdersehen“: Leonie Swann legt neuen Schafsroman vor und liest im Münchner Literaturhaus

Am kommenden Dienstag ist Leonie Swann im Literaturhaus zu Gast. © Dumont

Zum gemütlichen Woll-, pardon, Wohl-Fühlen taugt der neue Schafskrimi von Leonie Swann allemal. Die Autorin lässt mit „Widdersehen“ nach fast 15 Jahren ihre Schafsherde nach Irland zurückkehren. Man kann „Widdersehen“ auch unabhängig lesen, aber wer die beiden früheren Romane „Glenkill“ und „Garou“ kennt, kann mit den vielen Anspielungen und Verbindungen mehr anfangen.

Man liest sich schnell ein in diese Mischung aus Kriminalfall und Schafslogik. Der Wortwitz lässt schmunzeln. Der Metzger heißt Ham, und Worte wie Alibäh und „Heu.Heu.Heureka“ sind wohl der Schafssprache entlehnt. Und bei so manch scha(r)fsinniger Beobachtung über das menschliche Gebaren, wie zum Thema Neid, gerät man ins Sinnieren. Den Schafen verleiht die Autorin nicht nur Namen, sondern auch individuelle Eigenschaften. Da ist die schlaue Miss Maple, hier der Leitwidder Othello, dort das gedächtnisstarke Schaf, Mopple the Whale, kämpferisch gibt sich Sir Ritchfield und Ziege Madouc ist Schaf auf Probe.

Worum geht es in „Widdersehen“? Kaum ist die Schafsherde vom europäischen Festland nach Glenkill zurückgekehrt, verschwindet Schäferin Rebecca von einem Tag auf den anderen. Hat ihr Verschwinden mit dem Paket mit unappetitlichem Inhalt zu tun? Wer kann den Schafen den Brief vorlesen? Eine Rolle, die üblicherweise die Schafshirtin Rebecca übernommen hätte. Also macht sich die Schafsherde auf, um einen Ersatz oder, noch lieber, Rebecca wiederzufinden.

Abgetrennte Finger tauchen auf, später geht es auch um Drogenschmuggel, um alte Familienfehden und -geheimnisse. Dazwischen werden philosophische Betrachtungen angestellt. Ein wendungsreicher, aber nicht allzu komplexer Schafskrimi, der mit leichtem Ton und britisch-schrägem Humor eine ungewöhnliche Perspektive einnimmt. Zuweilen ein wenig slapstickartig, aber gut, es geht ja auch um Wollidarität und Wollensstärke. Ein leichter Literaturspaß, dem zuzuhören sicher noch mehr Vergnügen bringt.

Am 21. Juli liest Leonie Swann ab 19 Uhr im Münchner Literaturhaus aus „Widdersehen“. Ob man als Zuhörer dann auch in „Gimmäh Gimmäh Gimmäh ah Mäh after Midnight“ einstimmt? ELISABETH KIRCHNER

Leonie Swann:

„Widdersehen“. Dumont Verlag, 336 Seiten, 25 Euro.

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