Kolumnen voller Komik

von Redaktion

Dora Heldt und Anouk Schollähn über „Frauen mittleren Alters, die zu viel sitzen“

Dora Heldt (li.) und Anouk Schollähn haben ihr erstes gemeinsames Buch veröffentlicht. © Gunter Glücklich

Es war Freundschaft auf den ersten Blick: Auf einer Party lernten sich Bestsellerautorin Dora Heldt (64, „Urlaub mit Papa“) und Journalistin Anouk Schollähn (49) kennen und wussten nach dem ersten Glas Weißwein: Man kann gemeinsam lachen. Jetzt haben die beiden Freundinnen zusammen einen Kolumnenband geschrieben. In „Frauen mittleren Alters, die zu viel sitzen“ zelebrieren sie die Kunst der Selbstironie, machen unterhaltsame Geständnisse und skizzieren die Herausforderungen in der Mitte des Lebens. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählen Dora Heldt und Anouk Schollähn, warum Freundschaften Ehrlichkeit aushalten sollten und das Älterwerden gar nicht so schlimm ist.

„Frauen mittleren Alters, die zu viel sitzen“, liest sich wie ein privater Mailverkehr. Wann war Ihnen klar, dass aus Ihrem persönlichen Austausch ein amüsantes Buch werden kann?

Anouk Schollähn: Ich habe das vermutlich erst kapiert, als wir den Vertrag unterschrieben haben. Das war außerhalb meiner Vorstellungskraft, ein Buch mit einer der erfolgreichsten deutschen Autorinnen zu schreiben.

Dora Heldt: Mir war das nach Anouks dritter Kolumne klar. Da habe ich gedacht, wenn wir so weitermachen, wird das lustig. Obwohl wir beide viel zu tun hatten und uns die Zeit freischaufeln mussten, war es ein großer Spaß. Und da wir den beim Schreiben hatten, habe ich damit gerechnet, dass andere den auch beim Lesen haben.

Sie kommen aus unterschiedlichen Arbeitswelten: Wie haben Sie sich kennengelernt und wurden Freundinnen?

Schollähn: Wir waren bei einer gemeinsamen Bekannten eingeladen und sind zufällig miteinander ins Gespräch gekommen. Ohne zu wissen, wer die andere ist. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden. Dass ich schon viele Bücher von ihr gelesen hatte und sie mich bereits jahrelang im Radio hörte, haben wir erst am Ende dieses Abends rausgefunden. Kurz danach hatte ich eine private Krise, und Dora war, obwohl wir uns damals erst kurz kannten, ein Fels in der Brandung.

Heldt: Stimmt, deine Krise. Aber letztlich haben wir die dann doch relativ zügig bewältigt. Es war Sommer, und wir haben an der Alster kalten Weißwein getrunken und sehr böse Sachen gesagt. Über den mit dem Namen, der nie mehr laut gesagt wird. Aber es stimmt, es hat nur einen Abend gebraucht, um zu wissen, dass wir ab jetzt befreundet sind.

Sie hauen sich in den Kolumnen bisweilen recht unverblümt die Meinung um die Ohren. Was schätzen Sie aneinander?

Schollähn: Dora ist für mich ein Vorbild in vielen Bereichen. Sie ist klug, witzig und schlagfertig, aber dazu auch noch unglaublich gut erzogen, bescheiden und pünktlich. Der letzte Punkt setzt mich manchmal ehrlich gesagt ein bisschen unter Druck. Denn Doras Definition von Pünktlichkeit ist „zehn Minuten vorher da sein“. Und wenn ich sie bei mir zu Hause zum Essen einlade und es draußen regnet, habe ich Stress, weil ich weiß, dass sie mit dem Schirm in der Hand schon minutenlang mit dem Finger über der Klingel kreist.

Heldt: Anouk ist auch pünktlich, es sei denn, sie sitzt im falschen Bus – was aber selten passiert. Was ich an ihr schätze? Vieles, neben ihrem Witz und ihrer Klugheit ihren Mut. Sie probiert alles aus, traut sich alles zu, geht auf wilde Reisen, macht alles mit, was ihr spannend erscheint, und ist spontan. Und sie ist eine Meisterin des charmanten Smalltalks. Das bewundere ich. Aber: Ich umkreise nie mit dem Finger die Klingel! Ich setze mich immer auf irgendeine Bank in der Straße unter den Schirm und warte in Ruhe, bis es so weit ist.

Ein gemeinsames Buch zu schreiben, klingt angenehm, ist aber vermutlich auch anstrengend. Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Schollähn: Als ich die ersten Kolumnen geschrieben hatte und Dora mich dann anrief, hatte ich jedes Mal Puls. Das ist schon eine besondere Situation, als Quereinsteiger direkt ein solches Projekt mit einer Bestsellerautorin zu machen. Witzig fand ich dann ihre Idee, dass ich auch ruhig bei ihr was ändern könne, wenn mir was in ihren Kolumnen auffallen würde. Als ob ich beim Starkoch Ottolenghi in der Küche mal eben nachsalzen würde. Klar.

Heldt: Warum? Auch bei Ottolenghi stehen Salzstreuer auf dem Tisch.

Wie viel Kritik und Ehrlichkeit kann man walten lassen, ohne die Freundschaft zu gefährden?

Heldt: Kritik darf nie persönlich sein. Es muss um die Sache gehen und nicht um irgendein Gefühl. Wenn man sich an diese einfache Regel hält, ist alles erlaubt. Und wenn wir über eine echte Freundschaft reden, kann die nicht von zu viel Ehrlichkeit gefährdet werden. Ganz im Gegenteil: Wenn eine enge Freundin mir nicht die Wahrheit sagen kann, wer dann?

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