Intendantin Katja Wildermut. © Warmuth, Kneffel/dpa
Björn Wilhelm ist beim BR Programmdirektor Kultur.
Beben im BR-Funkhaus: Die Zukunft von Kultur-Programmdirektor Björn Wilhelm steht überraschend auf der Kippe. Der Vorschlag von Intendantin Katja Wildermuth, den Vertrag des 51-Jährigen ab März nächsten Jahres zu verlängern, wurde in der Sitzung des Rundfunkrats am Montagabend in Nürnberg überraschend abgelehnt, erfuhr unsere Zeitung. Gegen Wilhelm, einen engen Vertrauten Wildermuths, stimmten 18 Rundfunkräte, für ihn nur 14, zwei enthielten sich. Der Rundfunkrat ist das Aufsichtsgremium des Bayerischen Rundfunks und muss bei Personalangelegenheiten zustimmen.
Mehrere Rundfunkräte zeigten sich fassungslos, wie die Sitzung abgelaufen sei. Wildermuth, die Wilhelm vor fünf Jahren vom NDR geholt hatte, hatte am Montag Geburtstag. Sie hielt dem Vernehmen nach ein „flammendes“ Plädoyer für den Kulturchef. Er selbst war zwar anwesend, sprach jedoch nicht. Dass die Abstimmung gegen ihn ausgehen würde, sei nicht absehbar gewesen, heißt es. Es habe keine Absprachen gegeben, „keine orchestrierte Aktion“. Das Wort von einer Zufallsmehrheit steht im Raum – zumal gleich 16 von 50 Rundfunkräten, fast ein Drittel, an der Sitzung nicht teilgenommen hatten.
Wilhelm ist unter Wildermuth einer von fünf Direktoren, verantwortet die Kulturdirektion des BR seit 2022, ein mächtiger Posten (Jahresvergütung 230.000 Euro mit Dienstwagen). Seine Zuständigkeit umfasst Kultur, Wissen, Bildung und Dokumentation, ferner Unterhaltung und Heimat sowie Film, Serie, Klassik und auch die Klangkörper mit den international berühmten Orchestern. Kritiker kreiden ihm unter anderem die Reform des Radioprogramms Bayern 2 an, wo unter Wilhelm sieben Stunden Kultur wöchentlich gestrichen wurden. So zum Beispiel die halbstündige „Kulturwelt“ morgens ab halb neun. 2023 gab es dazu einen offenen Protestbrief zahlreicher Künstler. Auch zur Volksmusik hatte Wilhelm ein ambivalentes, wenn nicht gleichgültiges Verhältnis. Der Trachtenverband war über die Kürzung oder Einstellung beliebter Sendungen wie den „Komödienstadel“ so verärgert, dass er eine Unterschriftensammlung initiierte. Störfeuer aus verschiedenen Richtungen – da kam wohl einiges zusammen. Wilhelm, der aus Braunschweig stammt, fehle das Bayern-Gen, so der Tenor.
Wie es mit dem Topmanager nun weitergeht, ist offen. Zunächst steht wohl eine Krisensitzung an. Über die Besetzung der Kultur-Programmdirektion kann dem BR zufolge bei der nächsten Rundfunkratssitzung im Oktober erneut entschieden werden. Rein theoretisch. „Gewaltig beschädigt“, wie es ein Rundfunkrat ausdrückt, wäre Wilhelm auf jeden Fall. Deshalb ist es gut möglich, dass Wildermuth sich nun auf die Suche nach einem Ersatz machen muss. Wildermuth erklärte: „Wir werden die kommenden Wochen nutzen, um das Gespräch mit den Gremien zu suchen und zugleich das Vorgehen für die Oktobersitzung festzulegen.“ Wilhelm selbst gab keine Stellungnahme ab. Seine Amtszeit endet aktuell Ende Februar 2027.DIRK WALTER