Mit Kai Pflaume auf den Watzmann

von Redaktion

TV-Moderator dokumentiert Tour im Internet und warnt vor den Gefahren im Gebirge

Topfit unterwegs in den Bergen: Kai Pflaume.

Vom sanftmütigen Fernseh-Kavalier zum disziplinierten Extremsportler: Kai Pflaume überschreitet den Watzmann und nimmt auf Instagram ein Millionenpublikum mit. Doch hinter der digitalen Inszenierung steckt eine überraschend ernste Mahnung an die Bergwelt.

Es ist Viertel vor fünf Uhr morgens an der Wimbachgriesbrücke, als der Tag in den Berchtesgadener Alpen noch wie eine kühle Verheißung im Halbdunkel liegt. Wer hier um diese Zeit in die Schnürsenkel greift, sucht meist die Stille des Felsens oder die kompromisslose sportliche Herausforderung. Wenn der Mann in den Sportschuhen allerdings Kai Pflaume heißt, wandert mit jedem Schritt auch der Blick hunderttausender virtueller Begleiter mit. In einer dreiteiligen Instagram-Videoserie dokumentierte der 59-jährige TV-Moderator seine Überschreitung des Watzmanns, ein digitales Tagebuch, das binnen kurzer Zeit rund 1,5 Millionen Aufrufe generierte und die Faszination der Ostalpen-Königstour mitten in die Feeds der Sozialen Netzwerke trägt.

Dass ausgerechnet Kai Pflaume über den Grat zwischen Hocheck, Mittelspitze und Südspitze klettert, verrät viel über eine der erstaunlichsten Metamorphosen der deutschen Medienlandschaft. Dem breiten Publikum brannte sich Pflaume in den 1990er- und 2000er-Jahren als sympathischer Herzensbrecher der Nation ein, der in „Nur die Liebe zählt“ verloren geglaubte Paare vor tränenreichem Kulissenbild zusammenführte. Noch heute ist er das verlässliche Gesicht der öffentlich-rechtlichen Unterhaltung zur besten Sendezeit, ob bei „Wer weiß denn sowas?“ oder „Klein gegen Groß“.

Doch während andere Unterhaltungsgrößen im behaglichen Fernsehstudio ergrauen, hat sich Pflaume neu erfunden. Unter dem Pseudonym „Ehrenpflaume“ avancierte er auf Youtube und Instagram zum Brückenbauer zwischen den Generationen. Er zeigt sich auf Augenhöhe mit den Creators der Gen Z, doch hinter seinem nahbaren Auftreten steckt eben auch knallharte physische Disziplin. Pflaume läuft Marathons und verlegt seinen Ausdauertrieb nun vermehrt ins alpine Gelände.

Die Watzmann-Überschreitung war für ihn dabei nicht einmal ein festes Ziel auf der persönlichen Wunschliste, wie er auf Instagram verrät. Der Anstoß kam spontan: ein Anruf seines Freundes Martin, eines ehemaligen Gebirgsjägers und Bergwacht-Veteranen mit der Erfahrung von über 40 Watzmann-Überquerungen. Auf perfekte Wetterprognosen folgte ein kompromissloser Zeitplan: Aufstehen um zwei Uhr nachts in München, drei Uhr Abfahrt, Aufbruch im Morgengrauen an der Wimbachgriesbrücke.

Wer Pflaumes Videoserie verfolgt, merkt schnell, dass es ihm nicht um reines Posing geht. Bereits nach vier Stunden Aufstieg stand das Duo am Hocheck, nach insgesamt sechs Stunden war die Südspitze erreicht. Doch die eigentliche Kernbotschaft des Moderators richtet sich an sein unbedarftes Publikum: Diese Tour ist „kein Kinderspiel“. Pflaume unterstreicht eindringlich, was Bergretter seit Jahren predigen. Absolute körperliche Fitness sei das eine, unerschütterliche Schwindelfreiheit und das Fehlen jeglicher Höhenangst das andere. Der entscheidende Grund, auf den er explizit hinweist: Der ausgesetzte Grat bietet eben keine durchgehende Seilversicherung. Lange Passagen verlangen ungesicherte, hochkonzentrierte Kletterei im Fels. Ein einziger Fehltritt kann katastrophale Folgen haben. Neben der physischen Belastung zeichnet Pflaume die mentale Anspannung nach, die das Gehen am Abgrund fordert. Die Quittung für den Gipfelrausch folgte im berüchtigten Abstieg durch das Geröll des Wimbachgrieses. Freund Martin hatte ihn gewarnt: „Die Gipfel sind das eine, aber der Abstieg verlangt dir alles ab.“ Nach elf Stunden und 20 Minuten, allerdings inklusive kurzer Einkehr in der Wimbachgrieshütte, verrät Pflaume, schloss sich der Kreis wieder an der Brücke im Tal.KILIAN PFEIFFER

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