Vor zwei Jahren entstand der Film „Servus Eddie“, der der letzte von Günther Maria Halmer werden sollte. An seiner Seite: Jutta Speidel. © Heiden/ARD
Es sind Szenen, die in vielfacher Hinsicht zu Herzen gehen. Man sieht einen alten Mann, etwas heruntergekommen, auf dem Friedhof sitzen. Er hat einen großen Rucksack bei sich, man ahnt, dass er sich längere Zeit nicht gewaschen hat, glücklich jedenfalls sieht er nicht aus. Später erfährt der Zuschauer, dass Adam Einmiller kein Obdach hat und auf der Straße beziehungsweise eben einem Münchner Friedhof lebt. Als wäre das nicht schon Bürde genug, erfährt er, dass das Grab, in dem vor 30 Jahren sein Sohn beigesetzt wurde, aufgelöst wird – es sei denn, der alte Mann zahlt 1500 Euro, verlängert die Stelle und den Grabstein, auf dem auch mal sein Name stehen soll.
Günther Maria Halmer spielt einen Obdachlosen
So der Anfang des Films, der ab dem 30. Juli in der ARD-Mediathek abrufbar ist und am 31. Juli um 20.15 Uhr im Ersten gezeigt wird. Was die Eingangssequenz von „Servus Eddie“ doppelt berührend macht, ist ihr Darsteller: Günther Maria Halmer ist hier in seiner letzten Fernsehrolle zu sehen. An seiner Seite: Maximilian Brückner und Jutta Speidel, die sich im Gespräch mit unserer Zeitung an ihren Kollegen erinnert.
Für einige Filme wie „Oh Tannenbaum“ aus dem Jahr 2007 (Speidel: „Der wird jedes Jahr im Advent wiederholt“) oder „Mein Traum von Afrika“ haben die beiden schon früher gemeinsam vor der Kamera gestanden – „und es war immer schön“, erzählt Speidel. Die beiden TV-Stars kannten sich fast 40 Jahre lang, sind sich bei Veranstaltungen oder gemeinsamen Freunden wie Michaela May immer wieder über den Weg gelaufen. „Wir haben uns als Kollegen sehr geschätzt“, sagt die 72-Jährige. Halmer sei ein richtig guter Schauspieler gewesen. „Mit ihm ist einer der ganz Großen gegangen – und es werden immer weniger, die noch da sind“, erklärt die Münchnerin und erinnert an Kollegen wie Mario Adorf, die ebenfalls unlängst verstorben sind. „Da geht gerade eine ganze Garde toller, großartiger Menschen. Das macht mich traurig.“ Gleichzeitig, schiebt sie mit einem Lachen hinterher, hoffe sie, dass „ich ganz steinalt werde“.
Topfit ist sie jedenfalls, die Schauspielerin, die so gar nicht einstimmen kann in die Klagen vieler Kolleginnen jenseits der 50, die keine guten Angebote mehr bekommen. „Seit letztem Jahr könnte ich ununterbrochen drehen“, berichtet Speidel. „Und das tue ich jetzt auch.“ Vom „Bozen-Krimi“ über einen „Tatort“ aus Kiel bis hin zu zwei Filmen mit „anspruchsvolleren, schönen Frauenfiguren“ sei die Bandbreite zudem groß.
Zurück zu „Servus Eddie“, diesem zauberhaften Film, der die Sehgewohnheiten der jüngeren Generation womöglich nicht trifft, aber diejenigen umso mehr abholt, die sich nach einer ruhig erzählten Geschichte sehnen. Der titelgebende Eddie (Maximilian Brückner) ist ein Münchner Polizeibeamter, der gern übers Ziel hinausschießt und deswegen zurück in den Streifendienst versetzt wurde. Dort hat er es nun mit Kleinkriminellen, eher harmlosen Drogendealern und eines Tages auch dem Obdachlosen Adam (Halmer) zu tun, der nicht nur die Kollekte aus der Kirche geklaut hat, sondern bei einem Zusammenprall auch Eddies Dienstwaffe mitgehen ließ. Im Lauf der Zeit stellt sich dann noch heraus, dass Adam und Eddies Mutter (Jutta Speidel), die unter einer schweren Angststörung leidet und jahrelang ihre Wohnung nicht verlassen hat, sich schon früher begegnet sind…
Der Film lebt von seinen Figuren, man möchte gern wissen, wie es weitergeht mit Eddie & Co. „Eigentlich hat die Geschichte Potenzial für eine eigene Reihe, das finde ich auch“, sagt Speidel. Ob es dazu kommt? „Ich glaube, das Interesse der Sender an solchen Geschichten ist nicht mehr so groß. Aber man weiß ja nie.“ Wie auch immer. In Erinnerung bleiben wird der Film allemal – auch, aber nicht nur, weil er den Schlusspunkt setzt unter Günther Maria Halmers ganz großartige Karriere als Schauspieler und Charakterkopf mit Herz.STEFANIE THYSSEN
„Servus Eddie“
läuft am kommenden Freitag um 20.15 Uhr im Ersten und ist ab 30. Juli in der ARD-Mediathek abrufbar.