… und bei den Richard-Wagner-Festspielen 2024. © Imago
Eine Szene aus der Doku-Serie: Markus Söder mit seiner ältesten Tochter Gloria-Sophie im Restaurant … © Joyn
Markus Söder war schon Marilyn Monroe und Shrek bei der Fastnacht in Franken, Food-Influencer auf Instagram, Baum-Umarmer und Grünen-Hasser auf dem politischen Parkett. Jetzt aber zeigt Bayerns Ministerpräsident (CSU) sich in einer Rolle, in der man ihn noch nie gesehen hat: als „Papa“.
In der Doku-Serie „Born Famous – Fluch oder Segen“ auf ProSieben (donnerstags, 20.15 Uhr) über die Kinder berühmter Eltern tritt er gemeinsam mit seiner ältesten Tochter Gloria-Sophie Burkandt (27) auf – und gibt einen bemerkenswerten Einblick in eine wohl nicht ganz unkomplizierte Vater-Tochter-Beziehung.
Ein „Frage-Verhör-Spiel“ nennt die 27-Jährige die „Lunch“-Treffen mit ihrem Vater in München beispielsweise. Denn Söder fragt nicht nur, ob es denn inzwischen „den“ Freund im Leben seiner Ältesten gebe, er macht auch klar, dass er den angestrebten Karriereweg seiner Tochter nicht ganz nachvollziehen kann.
Dass sie ihre Doktorarbeit auf Eis gelegt hat, gefällt ihm offensichtlich nicht – ebenso wenig die Grundidee ihres Buches, das sie auf den Markt bringen will. Darin soll es unter anderem darum gehen, wie junge Leute heute kommunizieren. „Die Energie ist komisch“, diesen Satz verstünden Menschen wie ihr Vater zwar nicht, junge Leute aber schon, sagt Burkandt. Söder schaut skeptisch. Der Politiker lässt durchblicken, dass etwas distanziert wirkende Treffen wie dieses wohl eher die Ausnahme als die Regel sind. Söder, der noch drei weitere Kinder mit seiner Ehefrau hat, spricht von „quality time“. Burkandt, die aus einer früheren Beziehung ihres Vaters stammt, äußert in der Serie dagegen immer wieder, dass sie sich mehr Zeit mit ihm wünscht.
Sie spricht auch von Mobbing in der Schule, von Magersucht. „Du musst mal was essen, du bist so dünn geworden“, sagt Söder beim gemeinsamen Kloßverzehr in München. „Das ganze Jahr muss sie so vegan-modelmäßig leben und bei mir gibt es dann was Gscheits zu essen.“ Sie sei ein „Papa-Kind“, sagt Burkandt. Viel Zeit habe sie mit ihrem Politiker-Vater allerdings nicht und auch nie gehabt. „Es gibt auch öfter Momente, wo ich mir denke, ich möchte mit meinem Vater mehr Zeit verbringen“, sagt sie. Und: „Wenn du so einen Vater hast, wie ich ihn habe, dann bist du es gewohnt, dass du nicht der Mittelpunkt bist.“ Termine mit ihrem Vater, so schildert es die 27-Jährige, mache sie mit seinem Assistenten aus.
Öffentliche Auftritte an der Seite ihres Vaters seien wichtig für sie und ihre Karriere, sagt Burkandt. Eigentlich aber wolle sie aus dem Schatten ihres Vaters treten, denn: „Mir hat niemand irgendwo geholfen“, sagt sie. „Durch meinen Vater kam wirklich gar nichts.“ Ob das nun so stimmt oder nicht: Dass sich ein deutscher Spitzenpolitiker in dieser Form, im Reality-Fernsehen, in seiner Elternrolle zeigt, ist ungewöhnlich, sagt Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen. Aus seiner Sicht gilt: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. „Generell kann man sagen, dass die Persönlichkeiten von Politikern einerseits und Fernsehstars, Influencern oder Models sehr ähnlich sind“, sagt Bandelow. „Es geht um Ehrgeiz, Narzissmus und Geltungsdrang.“BRITTA SCHULTEJANS