Auf einer Welle von Glückshormonen

von Redaktion

Tenorissimo Michael Spyres gibt einen Liederabend bei den Salzburger Festspielen

Ein Konzert der Superlative: Michael Spyres und das Ensemble Il pomo d‘oro. © Marco Borrelli

Superlative, so weit das Auge reicht. Das gehört in Salzburg zur Festspielzeit dazu. Selbst, wenn man vielleicht nicht jedes Plakat zu 100 Prozent ernst nehmen muss, das einem hier das Größte, Beste, Exklusivste verspricht. Doch manchmal begegnen einem Stars, die den Hype sogar überbieten.

Denn wenn sich jemand den Titel „Tenorissimo“ verdient, der da im Haus für Mozart auf dem Programmheft prangt, dann Michael Spyres. Wie viel Vertreter seines Stimmfaches gibt es sonst noch, die in derselben Spielzeit in Wagners „Tristan“ und Donizettis „Liebestrank“ auf der Bühne stehen und in beiden Fällen eine glänzende Figur machen? Und wer außer ihm könnte noch einen Barockabend hinterherschieben, bei dem die Koloraturen nur so sprudeln?

Da lässt sich nur staunen, wie geschmeidig und stilsicher sich Spyres nun auch in den reich verzierten Arien von Händel, Hasse, Porpora und Konsorten bewegt. Wie mühelos seine baritonal gefärbte Ausnahmestimme über mehrere Oktaven segelt und sich beim spektakulären Finale mit Mazzonis „Tu m’involasti un regno“ sogar bis in die falsettierte Sopranlage schraubt. Was zusätzlich für den US-Amerikaner spricht: Diese vokalen Stunts verkommen nie zu Zirkuseinlagen. Spyres geht ganz in der Musik auf und surft dabei auf einer Welle von Glückshormonen, die in den Saal hinüberschwappt. Passend zu den Arien, in denen er oft von stürmischen Winden und tosender Meeresbrandung singt, die das Seelenleben der von ihm verkörperten Könige und Helden beschreiben. Und wie in der Barockoper üblich, gibt es auch für den Tenorissimo ein Lieto fine. Das wohlverdiente Happy End, bei dem der Amerikaner in stürmischen Ovationen badet und dem Publikum mit warmen Worten für diesen „traumhaftigen Abend“ dankt.

Gleichzeitig verneigt Spyres sich aber auch selbst immer wieder in Ehrfurcht vor dem Ensemble Il pomo d’oro, das ihn begleitet. Mit technischer Brillanz, mit Feuer und vor allem mit der nötigen Prise Humor, den die Originalklang-Experten auch bei den Concerti von Vivaldi und Galuppi zeigen. Instrumentale Intermezzi, die nicht nur als Verschnaufpause für den Tenor fungieren, sondern sich perfekt in den dramaturgischen Bogen des Programms eingliedern. Wenn dies nicht alle Superlative rechtfertigt: Was dann?TOBIAS HELL

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