Schlanker, dafür mit Oberlippenbart: Axel Milberg kürzlich bei einem Empfang des Münchner Filmfests. © Foto: Falke/T&T
Er verkörperte als Schauspieler ohne Scheu vor schwierigen Rollen bereits so ziemlich alles. Axel Milberg spielte u.a. Kindermörder, NS-Verbrecher, Landärzte, Dragqueens und historische Königsfiguren. Am populärsten dürfte ihn die Figur des missmutigen und unnahbaren Kommissars Klaus Borowski im Kieler „Tatort“ gemacht haben, in dem er mehr als zwei Jahrzehnte lang bis 2025 zu sehen war. Am Samstag wird Milberg, der mit Ehefrau Judith in Nymphenburg lebt, 70 Jahre alt.Der „Tatort“ mit dem in Kiel geborenen Milberg als Kommissar Borowski gehörte zu den renommiertesten Ausgaben der ARD-Flaggschiffreihe. „Ich fand ihn abscheulich, aber er wuchs mir ans Herz“, sagte er einmal über seinen menschlich schwierigen Ermittlercharakter.
Milberg kam am 1. August 1956 zur Welt und wuchs als Sohn einer Ärztin und eines Anwalts im gutbürgerlichen Kieler Stadtteil Düsternbrook auf. Erfahrungen aus dieser Zeit flossen später auch in seinen autobiografisch geprägten Roman „Düsternbrook“ ein, der 2019 erschien. Den Berufswunsch des Schauspielers verfolgte er von Anfang an: Nach dem Abitur studierte Milberg in München Philosophie, Literatur- und Theaterwissenschaft, ab 1979 besuchte er dort eine Schauspielschule.
Sein Talent wurde schnell offensichtlich. Gleich nach dem Abschluss seiner Bühnenausbildung engagierten ihn 1981 die Münchner Kammerspiele, denen er als Ensemblemitglied bis 1998 treu blieb. Milberg lebt bis heute in der bayerischen Landeshauptstadt, inzwischen mit seiner zweiten Ehefrau Judith. Das Ehepaar hat einen gemeinsamen Sohn, zwei Söhne brachte seine Frau in die Beziehung. Aus erster Ehe hat Milberg, der sich als Familienmensch bezeichnet, außerdem einen weiteren Sohn.
Nach ersten Ausflügen in das Film- und Fernsehgeschäft ließ Milberg in den 90er Jahren das Theater weitgehend hinter sich und wandte sich der Leinwand zu. Er drehte mit zahlreichen prominenten Regisseuren des neueren deutschen Films, übernahm vielschichtige und zwiespältige Rollen. Zu sehen war er unter anderem in „Der Schattenmann“ von Dieter Wedel von 1995 und in Helmut Dietls „Rossini“ aus dem Jahr 1996.
2003 begann Milbergs Ära als „Tatort“-Kommissar Borowski, die bis zu seinem Ausstieg aus der Krimireihe 2025 andauerte. Milberg ermittelte im Lauf der Zeit mit wechselnden Filmpartnerinnen, darunter Sibel Kekilli als Kommissaranwärterin. „Mehr Psychothriller als klassischer Krimi“ seien die Kieler „Tatorte“ mit Milberg, schrieb eine Zeitung. 2023 kündigten Milberg und der Norddeutsche Rundfunk mit zweijährigem Vorlauf das Ende seines Borowski-Engagements an, der Darsteller wollte nach eigenen Angaben mehr Zeit für neue künstlerische Projekte haben.
Nur auf den „Tatort“ konzentrierte sich der Charakterschauspieler sowieso nie. Er spielte parallel weiter in vielen Produktionen – von der Multikultikomödie „Almanya – Willkommen in Deutschland“ bis hin zur Bestsellerverfilmung „Feuchtgebiete“. Für seine Rolle im Drama „Liebesjahre“ erhielt er 2012 die Goldene Kamera und den Grimme-Preis.
Einen Namen machte sich Milberg auch als Hörbuchsprecher, er vertonte die Krimis von Mankell ebenso wie die Jugendgeschichten der „Drei ???“. Für sein Gesamtwerk erhielt er 2020 eine Sonderehrung des Deutschen Hörbuchpreises. Milberg forme und inszeniere seine Charaktere, heißt es in der Begründung. „Er macht sie lebendig.“
Abseits seiner beruflichen Tätigkeit meidet Milberg möglichst das Rampenlicht, anders als viele andere Darsteller sieht er die eigene Bekanntheit eher als Last. Berühmtheit sei „jedenfalls nicht der Grund, weshalb ich Schauspieler geworden bin“, sagte er vor einigen Monaten in einem Interview. „Ich genieße es nicht wirklich, bekannt zu sein.“ Er habe gelernt, sich „unsichtbar“ zu machen, wenn er es wolle.
Trotz allmählichen Erreichens des Rentenalters ist Milberg dabei weit vom Ruhestand entfernt. In einem Interview sagte er kürzlich: „Es ist eine Zahl, die mit mir überhaupt nichts zu tun hat. Ich lehne diese Zahl ab. Die Übung wäre ja, ich weiß, sich zu versöhnen und zu sagen: „Also gut, ich bin so alt.“ Aber ich bin nicht krank, ich arbeite und hatte bis jetzt eine gute Zeit. Toitoitoi, man weiß nie, was der nächste Moment bringt. Insofern kein großes Ding. Eigentlich.