Auf dem Weg der Besserung: Komponist Ralph Siegel. © Gnoni-Press
Am vergangenen Freitag nach dem Frühstück war es soweit: Ralph Siegel ging die ersten zehn, zwanzig Meter zu Fuß über den Gang im Krankenhaus. „Langsam natürlich, noch mit einer Gehhilfe, einer Art Rollator. Aber trotzdem: Das hat mir viel Mut gemacht, dass ich bald wieder laufen kann“, sagte der Erfolgskomponist, als die Kolumnistin ihn kurz vor dem Mittagessen im Klinikum erreichte.
Die dramatischen Wochen, als er im Wachkoma lag, stecken ihm noch in den Knochen. Siegel ist ganz ehrlich: „Das war das Schrecklichste, was ich jemals erlebt habe. Fürchterlich. Es war wie ein immerwährender Albtraum. Es war ein Gefühl, als ob ich gefangen und gefoltert wurde. Ich kann mich nicht an Details erinnern, aber ich hatte Angst.“
Die Ärzte legten Siegel vor drei Wochen ins künstliche Koma, nachdem er mit einer schweren Lungenentzündung eingeliefert wurde. Gerade noch rechtzeitig: „Mein Arzt sagt, hätte ich einen Tag länger gewartet, wäre ich tot gewesen. Ich war praktisch einen Tag vor der Ewigkeit.“
Ehefrau Laura war es, die ihren Mann drängte, aus Spanien, wo sie ein Ferienhaus und ein großes Restaurant an der Costa Dorada besitzen, nach München zu fliegen. „Ich bin schon ganz erschöpft aus dem Flugzeug gefallen, war schon nicht mehr bei Sinnen.“ Die ersten Tage im Harlachinger Krankenhaus waren dramatisch. Nur langsam stabilisierte sich Siegels Zustand, am 17. Juli holten die Ärzte ihn aus dem Koma zurück.
So schrecklich die Erinnerungen an das Wachkoma sind, so hatte Siegel doch eines gleich im Kopf: „Ich habe aus dem Koma ein fantastisches Lied mitgebracht. Es ist in meinem Kopf und ich weiß schon jetzt: es ist unschlagbar. Es ist genauso ein Gefühl, wie damals mit ,Ein bisschen Frieden‘. Ich werde es beim nächsten Eurovision Song Contest einreichen.“
Das ist Ralph Siegel, wie ihn alle kennen: voller Tatendrang und hauptsächlich eines im Kopf: Musik! Seine Gesundheit – er hat bereits viermal den Krebs besiegt – blieb da oft auf der Strecke: „Ich habe in Spanien wieder zu rauchen angefangen“, gesteht er am Telefon. „Es ist halt gemütlich, wenn man am Abend im Garten unseres Lokals sitzt, mit Freunden, die auch alle rauchen.“ Das Restaurant, um das sich das deutsche Ehepaar Matthias und Tina Wrba jetzt kümmert, mache ihm große Freude.
Siegel hofft, bald nach Hause zu kommen
Doch erst einmal bleibt er hier in München. „Ich hoffe, ich komme Ende nächster Woche nach Hause“, so Siegel. Und dann setzt er sich gleich an seinen Flügel im Wohnzimmer – und spielt seinen nächsten Hit. Komponiert im Koma.MARIA ZSOLNAY