Szene aus der Serie mit Vincent Pastore (li.), James Gandolfini (Mi.) und Tony Sirico. © dpa
Vincent Pastore beim 25. Jubiläum der Kultserie „Die Sopranos“ – die Mafia-Rolle machte ihn berühmt. © NDZ/STAR MAX
Er war nie der klassische Hollywood-Star. Vincent Pastore war kein Mann der großen Gesten oder des Glamours, aber ein Meister des authentischen Spiels. Mit seinem markanten Auftreten, der rauen Stimme und dem warmen Blick verkörperte er jahrzehntelang Gangster, Schläger und andere hart gesottene Kerle – und schuf mit Salvatore „Big Pussy“ Bonpensiero in der Kultserie „Die Sopranos“ eine der faszinierendsten Figuren der Fernsehgeschichte. Nun ist Pastore im Alter von 80 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Manager Robert Attermann der „New York Times“. Freunde hätten den Schauspieler am Samstag tot in seinem Haus im New Yorker Stadtteil Bronx gefunden, hieß es.
In der Kultserie „Die Sopranos“ verriet Pastore als „Big Pussy“ nach langer Loyalität dann doch die Machenschaften von Mafia-Boss Tony Soprano an das FBI – und bezahlte dafür mit dem Leben. Sein Serientod am Ende der zweiten Staffel gehört bis heute zu den spektakulärsten Abschiedsszenen der TV-Geschichte. Seine Bitte „Nicht ins Gesicht, ja?“ kurz bevor seine engsten Freunde ihn erschießen, brannte sich in das Gedächtnis einer ganzen Seriengeneration ein.
Dabei begann Pastores Karriere auf der Leinwand ungewöhnlich spät. Geboren 1946 in der New Yorker Bronx als Sohn einer italienischstämmigen Familie, diente er bei der US-Marine, arbeitete als Limousinenfahrer, führte Nachtklubs und schien weit entfernt von einer Schauspielkarriere. Erst jenseits der 40 wagte er den Sprung vor die Kamera – ermutigt von den Schauspielern Matt und Kevin Dillon, die ihn als Chauffeur kannten und sein ungewöhnliches Charisma feierten.
Es folgten Rollen in Klassikern wie Martin Scorseses „Goodfellas“ und Brian De Palmas „Carlito’s Way“, doch erst David Chase schenkte ihm mit „Die Sopranos“ die Rolle seines Lebens. Pastores Figuren wirkten, als kämen sie direkt von den Straßen New Yorks – laut, verletzlich, einschüchternd und zugleich erstaunlich menschlich. Gerade deshalb wurde „Big Pussy“ mehr als nur ein Mafioso. Er war ein Mann zwischen Loyalität und Angst, Freundschaft und Verrat – eine tragische Figur.
Die Anteilnahme seiner ehemaligen Serienkollegen in den Sozialen Medien zeigt, wie sehr Vincent Patrone geschätzt wurde. Michael Imperioli sprach von einem „herzensguten Bruder“, Jamie-Lynn Sigler würdigte ihn als liebevollen Menschen, Lorraine Bracco nannte ihn eine „schöne Seele“. Und Stevie Van Zandt verabschiedete ihn mit den Worten: „Wieder ist ein unersetzlicher Bruder gegangen.“DPA