Franz Marc wird mithilfe von KI zum Leben erweckt.
Hier startet die App als Pilotprojekt: Das Franz Marc Museum in Kochel. © Miesbacher Merkur
Waren Sie schon mal im Museum und haben ein Bild einfach nicht ergründen können? Oder hätten gerne mehr Informationen dazu gehabt, als eine Führung liefern konnte? Wie wäre es, sich direkt mit dem Künstler oder der Künstlerin auszutauschen? Der Münchner Hirmer-Verlag macht genau das jetzt für Kunstinteressierte möglich. Die App „True Size of Art“ verbindet Kunst und Künstliche Intelligenz (KI) – und lässt Nutzerinnen und Nutzer mit einer Künstlerin oder einem Künstler ins Gespräch kommen. Pilotpartner für das Projekt ist das Franz-Marc-Museum in Kochel am See.
„Hallo, ich bin Franz Marc. Stelle mir gerne eine Frage über mich und meine Kunst.“ Der Münchner Künstler Franz Marc (1880–1916) macht den Anfang in dem Projekt – und wird digital wieder zum Leben erweckt. Marc fiel im Ersten Weltkrieg an der Front. Seine farbenfrohe Kunst, vorrangig seine berühmten blauen Pferde, leben bis heute weiter. Und begeistern die Menschen auch mehr als hundert Jahre später. Was er mit seiner Kunst ausdrücken wollte? Der Franz Marc aus der App antwortet: „Ich wollte nicht einfach die sichtbare Welt abbilden. Mich interessierte, was hinter den Dingen liegt: ihre innere Bewegung, ihre Kraft, ihr Zusammenhang mit allem Lebendigen. Farbe, Linie und Form sollten nicht nur beschreiben, sondern Empfindungen sichtbar machen.“
Die KI hinter „True Size of Art“ greift auf einen kuratierten Datenpool wissenschaftlich geprüfter Texte zu und ist mit einem Sprachmodul ausgestattet. Auch Originaldokumente wie Briefe, Schriften und Aufzeichnungen fließen in die Wissensbasis ein. Das KI-Angebot soll auch auf weitere Künstler übertragen werden. Verlegerin Kerstin Ludolph erklärt, der Hirmer-Verlag sei in seiner Funktion als Kunstvermittler immer mit der Zeit gegangen, daher habe man nun ein KI-basiertes Angebot geschaffen.
Der Zugang erfolgt vor Ort via QR-Code oder online über „Jetzt testen“, worüber man zum eigens kreierten KI-Tool gelangt und aus vorgeschlagenen Fragen wählen oder eigene Fragen stellen kann. Ergänzend gibt es eine Werkübersicht „Werke entdecken“ sowie eine Kamerafunktion. Per Scan von Werkabbildungen im Museum, aus Büchern oder von der Website gelangen Nutzerinnen und Nutzer zu den hinterlegten Informationen. Die Inhalte sind auf Deutsch und Englisch abrufbar, können über den Chat aber etwa auch auf Französisch, Spanisch oder Arabisch übersetzt werden.
Auf der kommenden Frankfurter Buchmesse und der Art Muc in München soll „True Size of Art“ einem breiteren Publikum präsentiert werden. JANINA VENTKER