Die Meisterin der Gelassenheit

von Redaktion

Sandra Maischberger lädt ab heute wieder zum ARD-Talk und wird am 25. August 60

Sandra Maischberger: gut erholt nach der Sommerpause. © dpa

Das Lächeln skeptisch-ironisch, die Bernsteinkette ihr treuer Begleiter – nichts scheint Sandra Maischberger aus der Ruhe zu bringen. Rund 10.000 Gäste hat die Journalistin in ihrer Karriere interviewt, darunter Großkaliber wie Bill Gates, Hillary Clinton und Helmut Schmidt. Nach zwei Monaten Sommerpause kehrt sie nun zurück: Ab heute laufen neue Folgen ihrer ARD-Talkshow „Maischberger“ – wenige Wochen später, am 25. August, wird die Moderatorin 60.

Zum Auftakt geht es heute um den Personalumbau bei der CDU und die Koalitionsdebatte beim Thema Rente. Mit Karl Lauterbach (SPD) und Tilman Kuban (CDU) haben sich gleich zwei Politiker angekündigt.

„Aufmerksam, zuhörend, nachfragend“ nennt Maischberger ihren Talkstil. Sie ist der televisionäre Ruhepol im permanenten Erregungsmodus der Republik. Geboren wurde die Münchnerin am 25. August 1966. Ihre Kindheit verbrachte sie teilweise in Italien, wo ihr Vater als Physiker am Max-Planck-Institut in Frascati bei Rom arbeitete. Italienisch spricht sie fließend. 1985 gewann sie einen Talentwettbewerb des Bayerischen Rundfunks und moderierte „Rock-Lok“. Ihre Liebe zum Rock, etwa zu Led Zeppelin, ist geblieben. Das Studium der Kommunikationswissenschaften war nach drei Tagen beendet. Stattdessen absolvierte Maischberger eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. Im Fernsehen folgten die BR-Jugendsendung „Live aus dem Schlachthof“ als Nachfolgerin von Günther Jauch und „Talk im Turm“ bei Sat.1. Der n-tv-Talk „Maischberger“ machte sie schließlich bundesweit bekannt. 2003 holte die ARD die Überfliegerin ins Erste.

Dort begann sie mit „Menschen bei Maischberger“ als Nachfolgerin von „Boulevard Bio“. Aus dem bunten Talk wurde über die Jahre das heutige Politformat „Maischberger“. Für etwas Farbe sorgt das Expertenpanel, in dem neben Fachleuten auch Kultur- und Unterhaltungsgrößen wie Denis Scheck oder Oliver Kalkofe sitzen.

Meilensteine? Gab es in ihrer Sendung viele. So führte Maischberger 2002 zum 100. Geburtstag von Leni Riefenstahl ein Mammut-Interview mit Hitlers Lieblingsregisseurin. Ihr kuriosestes Andenken ist der in Acryl gegossene Aschenbecher mit den Stummeln der acht Mentholzigaretten, die Helmut Schmidt 2015 in ihrer Sendung gequarzt hatte. 2007 verließ der Wissenschaftsjournalist Joachim Bublath die Show, weil er von Nina Hagens Aussagen über Aliens genervt war. Maischberger blieb ruhig. Fragen stellen, ein Gespräch führen, das ist eine ungemein persönliche Angelegenheit. „Ich kann mich da nicht verstellen, ich könnte zum Beispiel nicht eine Aggression oder eine Harmlosigkeit in die Fragen legen, die ich nicht habe. Ich bin ein höflicher, neugieriger, kritischer Mensch, ein Mensch mit Humor, und nur so kann ich die Fragen stellen“, erklärte sie einmal und ergänzte: „Ich stelle außerdem immer wieder fest, dass man die gemeinsten Fragen mit einem Lächeln besser beantwortet bekommt.“

Den markanten Bernsteinanhänger bekam Maischberger 1994 von ihrem Ehemann, dem Kameramann Jan Kerhart. Das Paar hat einen Sohn und lebt in Berlin. Privat ist die Moderatorin weit weniger still als im Studio: Sie liebt Trekking, Kanutouren, Tauchgänge und Abenteuerreisen, war im australischen Outback unterwegs und sprang sogar schon Bungee. 2000 gründeten Maischberger und Kerhart zudem die TV-Produktionsfirma „Vincent Productions“, die unter anderem ihre Talkshow produziert. Für rund 133 Ausgaben im Jahr soll Maischberger Expertenschätzungen zufolge etwa 2,8 Millionen Euro Moderationshonorar erhalten.C. WYSTRICHOWSKI

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