Zwei Top-Stars für DAZN: Ex-Fußballer Michael Ballack und Moderatorin Laura Wontorra. © Thissen/dpa
Am Anfang haben viele den Branchenneuling nicht ganz ernst genommen. Als DAZN vor zehn Jahren den Betrieb startete und Sport nur im Internet zeigte, haben sich manche gefragt: Sport-Streaming, was ist denn das? Es waren vor allem Fans der englischen Premier League, die anfangs ein Abo beim Pay-Anbieter abschlossen. Doch der Neuling mischte den Markt rasant auf.
Mit den Milliarden-Investitionen des in der Ukraine geborenen Amerikaners Len Blavatnik startete DAZN zunächst in Japan und Deutschland. Das erste größere Spiel hierzulande zeigte der Streamingdienst am 13. August 2016: Hull City gegen Leicester City. Während die damaligen Premier-League-Clubs längst wieder abgestiegen sind, ging es für DAZN aufwärts. Das Medien-Unternehmen expandierte Jahr für Jahr. Inzwischen ist es weltweit als Pay-TV-Anbieter tätig. Die volle Konzentration auf Sport war und ist der wesentliche Unterschied zu Netflix & Co.
DAZN setzte vor allem dem früher dominierenden Pay-TV-Sender Sky richtig zu, erwarb Rechte für die Fußball-Bundesliga und stach den damaligen Marktführer bei der Champions League aus. Der Kampf wurde zum Teil mit harten Bandagen geführt, wie die heftige Auseinandersetzung mit der Fußball-Bundesliga bei der bisher letzten Ausschreibung zeigte. Die DFL musste ihre Rechte-Auktion abbrechen und später neu starten.
„Ich glaube, den einen ,Gorilla im Raum‘ gibt es heute nicht mehr“, sagt Haruka Gruber. Der Vermarktungs-Chef von DAZN ist ein Mann der ersten Stunde. Er betont stattdessen: „Die Vorstellung, dass es nur einen dominanten Anbieter geben kann und man die anderen dafür aus dem Markt drängen muss, ist aus meiner Sicht überholt. Heute kooperieren wir in bestimmten Bereichen sogar mit Sky.“
Bei vielen jungen Sport-Fans kam DAZN in der Startphase gut an, auch wegen der lockeren Art der Präsentation und des niedrigen Preises, der anfangs bei 9,99 Euro im Monat lag. Derzeit kostet das Monatsabo mit Bundesliga und Champions League 44,99 Euro.
In Deutschland ist DAZN aus Grubers Sicht „erwachsen“ geworden. Dazu zählt auch die Verpflichtung von TV-Stars wie Laura Wontorra und Michael Ballack für die Präsentation der teuren Fußball-Rechte. Zugleich freut sich der Manager über Kontinuität. Viele Kommentatoren und Moderatoren, die anfangs dabei waren, haben immer noch sehr viel Sendezeit. Es sei aber auch schön, wenn jemand wie Alexander Schlüter, „der als Praktikant bei uns gestartet ist“, jetzt in der „Sportschau“ zu sehen sei.
DAZN startete als Herausforderer. Doch nun muss sich der Marktführer neuen Herausforderern stellen. Der Verlust der Champions League ab der Saison 2027/28 ist äußerst schmerzlich. Nur noch ein Jahr, dann laufen fast alle Spiele der Königsklasse bei Paramount+. DAZN muss sich mit der Europa League und der Conference League begnügen. „Emotional tat es natürlich weh, denn wir sind seit sehr vielen Jahren Champions-League-Partner“, sagt Gruber. „Aber das ist nun mal der Wettbewerb.“MICHAEL ROSSMANN