Stargast Sepp Schauer spielt im Musical den Elektriker, der ins Stück stolpert.
Drei zauberhafte Elfen (Daniela Poppe, Laura Ackermann und Nathalie Fuss, von li.) tirilieren sich durchs Stück. © Rolf Demmel (2)
Es muss nicht immer „Monsieur 100.000 Volt“ sein. Denn bei den heutigen Energiepreisen wäre Gilbert Bécaud mit so einem Spitznamen auch gar nicht mehr zeitgemäß. Darum begnügt sich die Münchner Komödie im Bayerischen Hof für ihre jüngste Produktion ökologisch korrekt mit einem Monsieur 230 Volt: einem wackeren Schwachstromelektriker, den das Logo auf seinem Blaumann als Abgesandten der Firma „Elektro Semmelmann“ ausweist. Eigentlich soll er ja nur „den Durchlauferhitzer im Damenklo“ (Zwinker) reparieren. Aber dafür muss man erst mal die Leitungen durchmessen, klar, und darum latscht der Handwerker unseres Vertrauens nach bewährtem Komödienmuster mitten in der Vorstellung bodenständig auf die Bühne, wo gerade zarte Elfen in ihren luftigen Kleidchen trällern („Tirilili“).
Das Ergebnis ist „Ein total verrückter Sommernachtstraum“, quasi die günstige Aufputzversion eines Musicals nach Shakespeares gleichnamigem Klassiker. Und auch wenn trotz hübscher Kurzschluss-Effekte der Funke nicht in jeder Szene überspringt – insgesamt hat Regisseur und Autor Michael Tasche eine elektrisch geladene Sommer-Boulevard-Gaudi zum Wohlfühlen zusammengeflanscht (Musik: Bastian Pusch). Wobei der Clou wie auch der Running Gag des Abends natürlich der Stargast ist: Sepp Schauer, aus Film und Fernsehen („Sturm der Liebe“) bekannt als verlässlicher Akkuschrauber seiner Zunft, spielt nämlich den Elektriker, der auf der Leitung steht und immer wieder die Vorstellung im Wortsinn durchkreuzt. Dank des Stromschlags für einen anderen Mimen (Daniel Lambach) muss er auch noch für diesen einspringen und immer „I-a, I-a“ rufen, weil er vom Waldteufel Puck (Markus Wilhelm) in jenen langohrigen Esel verwandelt wird, für den Elfenkönigin Titania brünstig entbrennt („So ist nun mal die Liebe“).
Damit uns bei solch prickelndem Geschehen nicht vor lauter Begeisterung die Sicherung rausfliegt, hält sich immerhin das Bühnenbild dezent zurück: Der Zauberwald bei Athen, in dem die Geschichte spielt, besteht hier nur aus Falt-Paravents, die mit schütterer Efeu-Deko einen auf Wildnis machen. In der Mitte dieser Trockenbau-Idylle steht allerdings ein kreisrundes Drehbett, wo sich sowohl die jungen Liebespaare fläzen, als auch die Elfenkönigin mit ihrem tierischen Lover.
Die Kostüme sind passend zum naturnahen Setting im Landhausstil geschneidert, verraten aber gelegentlich auch eine Tendenz zur Pyjamaparty, etwa bei den Elfen oder dem Athenerkönig Theseus. Nur dessen Gegenstück im Geisterreich, der traditionell vom gleichen Darsteller gespielte Elfenkönig Oberon, kommt mit Fransenhose und Cowboystiefeln als eine Art Easy Rider der Märchenwelt daher. Sandro Luzzu ragt in dieser Rolle neben der musikalisch (und überhaupt) imposanten Lipa Majstrovic (Titania) sowie der Helena-Darstellerin Melanie Oster durch eine wirkliche Gesangsstimme heraus. Und auch der Rhythmus, der bei der Premiere noch leicht lahmte, wird sich einspielen. Denn anders als bei Handwerkern, kann’s im Boulevardtheater bekanntlich gar nicht rasant genug zugehen. Zünftiger Jubel.ALEXANDER ALTMANN
Weitere Aufführungen
am 21., 22. und 23. August.